Medien : Senden aus der Nische Internet-TV: Wenig

Zuschauer, viel Potenzial

Kurt Sagatz

Was drängt eine Randsportart an den Rand? Dass sich dafür weniger Menschen interessieren als für Fußball, Boxen oder die Formel 1, lautet zumeist die Antwort, mit der Fernsehverantwortliche begründen, warum sie kaum über Randsportarten berichten. Das Gegenteil stimmt: Durch umfassende Fernsehpräsenz wird aus einer Randsportart ganz schnell ein interessantes, massenkompatibles Programm, sagt dagegen Ingo Wolf. Und er sollte es wissen, denn zu seinem Fernsehimperium gehören unter anderem 32 Randsportarten. Insgesamt umfasst seine Unternehmensgruppe Grid-TV sogar 250 Sender aus 40 Genres. Dass man die meisten davon noch nie gesehen hat, hängt mit der Verbreitungsart zusammen. Denn Wolfs Sender werden über das Internet übertragen.

Einige sind sogar äußerst erfolgreich so wie das Eishockey-Fernsehen DEL-TV (del.org) mit seinen 900 000 Zuschauern. Im Gegensatz zum Fernsehen über Kabel, Satellit oder Antenne ist das aber gar nicht immer das oberste Ziel, erklärte Wolf Ende vergangener Woche auf einer Konferenz zum Thema Internet-Fernsehen in Potsdam. Vielen Vereinen ginge es gar nicht um Profit, sondern darum, ihr Hobby preisgünstig als Fernsehprogramm zu verbreiten. Ähnliche Motive gibt es auch in der Wirtschaft: Große Firmen oder Marken sprechen schon jetzt ihre Zielgruppe über spezielle Events an, mit Internet-TV werde das noch einfacher. „Coca-Cola hätte kein Problem, dafür Werbung zu machen, so Wolf: Die müssen nur ,All You Need‘ und die Adresse des Senders auf jede Dose drucken.“

Doch derzeit ist das Potenzial erheblich größer als die Reichweite. Den Ausdruck „IPTV“ kennen in Deutschland gerade einmal drei Prozent der Menschen. Ganze 35 000 zahlende Nutzer hat das Internet-Fernsehen derzeit in Deutschland, besser sieht es in Frankreich oder England aus, wo Pay-TV weiter verbreitet ist. Aber auch hierzulande sind die Aussichten nicht schlecht. Bis zum Jahr 2010 werde die Zahl der Internet-Fernsehzuschauer auf über eine Million steigen, schätzen die Marktbeobachter vom Goldmedia-Institut.

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