Medien : Sender Freies Berlin: Nicht der Rede wert

Dorothee Nolte

Wo zusammengelegt wird, gibt es Opfer. Der Sender Freies Berlin (SFB) will die beiden Programme Radio 3 und Radio Kultur zu einer neuen Kulturwelle für die Hauptstadt verschmelzen, deren Name noch nicht fest steht. Ein internes Papier der Hörfunkdirektion, das der designierte Wellenchef Wilhelm Matejka gestern den Redakteuren und Mitarbeitern vorstellte, lässt jedoch ahnen, wohin die Reise geht: Die neue Welle wird eher Radio 3, dem klassikbetonten Sender, ähneln. Wortorientierte Sendungen, darunter "Der Morgen" und "Zeitpunkte", die zur Zeit noch auf Radio Kultur zu hören sind, werden eingeschränkt oder fallen weg, ebenso nicht-klassische Musikformen wie Chanson, Jazz oder Ethno-Musik. "Die Redakteure von Radio Kultur sind besorgt, dass der Anteil von Wortsendungen, von allgemeinpolitischen und kritischen Informationen und nicht-klassischer Musik am Programm reduziert wird", fasst Hanne Daum, Vorsitzende des Personalrats im Sender, die Stimmung zusammen.

Eines der Opfer der geplanten Programmreform könnte das traditionsreiche frauenpolitische Magazin "Zeitpunkte" sein, das täglich außer am Wochenende ab 12 Uhr 05 auf Radio Kultur zu hören ist. Zwar hatte sich der Programmausschuss des Senders - er besteht aus einem Teil des Rundfunkrats - für die Beibehaltung des Magazins ausgesprochen, im internen Schema der Hörfunkdirektion taucht es jedoch nicht mehr auf.

Statt dessen soll die Zeitpunkte-Redaktion, so heißt es aus dem Umfeld des Senders, zweimal fünf Minuten tägliche Sendezeit auf Inforadio erhalten. Aus Sicht der Redaktion ist das kein Ersatz für ein 55-minütiges Programm, das mit seiner Mischung aus frauenpolitischen Beiträgen, Interviews und nicht-klassischer Musik einen so genannten "Einschaltpunkt" darstellt.

Die "Zeitpunkte" haben seit ihrem Start 1979 immer wieder um ihre Existenz kämpfen müssen. Wiederholt musste die Sendung die Frequenz wechseln. Im letzten Jahr stand erneut die Abschaffung auf der Tagesordnung, wurde jedoch verschoben, unter anderem weil sich prominente Fürsprecherinnen - darunter Rita Süssmuth und Christine Bergmann - fanden.

Bei der gestrigen Diskussion mit den Mitarbeitern der beiden Wellen waren beide Auffassungen vertreten. Die Zeitpunkte als "eingeführte Marke" und als eine in der ARD einzigartige Sendung müssten erhalten bleiben, allenfalls gekürzt und auf eine andere Uhrzeit verschoben werden, so ein Teilnehmer. Andere dagegen halten die spezifische Ausrichtung des Magazins auf Frauenthemen für überholt und unpassend für ein Kulturprogramm.

In dem internen Schema nicht mehr vorgesehen ist auch die Sendung "Der Morgen", ein Magazin mit E-Musik, das tagesaktuelle Berichterstattung mit Kulturbeiträgen verbindet. Die politische und tagesaktuelle Berichterstattung soll laut derzeitiger Planung bis zum Mittag allein auf Nachrichten beschränkt bleiben.

SFB-Hörfunkdirektor Jens Wendland wollte sich auf Anfrage nicht zu der Diskussion äußern: "Ich greife nicht in laufende Debatten ein. Das Verfahren im Sender ist offen und transparent, wir sprechen in Arbeitsgruppen und Plena mit den Redakteuren und dem Programmausschuss. Die endgültige Entscheidung fällt erst nach Abschluss der Diskussion, und wenn der Wirtschaftsplan vorliegt."

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