Sender für Suchmaschine : Google glotzt TV

Der Internetgigant drängt ins Fernsehgeschäft. Mehr als 100 Kanäle hat er für seine Video-Plattform Youtube angekündigt. Das wird die herkömmlichen Sender treffen.

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Klick mich! Auf der Plattform Youtube sollen bald hundert neue Kanäle laufen. Foto: dpa
Klick mich! Auf der Plattform Youtube sollen bald hundert neue Kanäle laufen. Foto: dpaFoto: picture-alliance/ ZB

Zu einem Giganten gehört gigantisches Denken. Also hat Google gerade mehr als 100 neue Fernsehprogramme für seine Video-Plattform Youtube angekündigt. Bei den Kanälen sollen die massentauglichen Schwerpunkte auf Musik, Lifestyle, Unterhaltung und Sport aus den USA liegen. Pop-Legende Madonna wurde für einen Tanz-Kanal gewonnen. Der frühere NBA-Star Shaquille O’Neal präsentiert ein Comedy-Programm. Die neuen Youtube-Kanäle sollen schrittweise von November an bis ins nächste Jahr hinein starten.

Nun sind weder die USA noch Deutschland beim Fernsehangebot unterversorgt. Die letzte Zählung der Landesmedienanstalten hat für Oktober 2010 386 Programme im Free-TV-Bereich und 56 im Pay-Bereich ergeben. In der Summe sind das 442 Kanäle, aus denen sich der Fernsehzuschauer sein Programm-Menü zusammenstellen kann.

Braucht da einer noch mehr Fernsehen? Das wird der Zuschauermarkt allein entscheiden. Die Vorzeichen für ein erfolgreiches Youtube, auf dem nicht mehr nur Fernsehinhalte von ARD über RTL bis ZDF eingestellt werden, sondern für eine Plattform, die selbst Fernsehen produziert und anbietet, sind besser geworden.

Bisher waren sie schlecht. Das Fernsehen ist eine der Branchen, die das Internet bislang am wenigsten ändern konnte. Die Sender, öffentlich-rechtlich oder privat, konnten auf Zuschauertreue setzen. Seit 2000 ist die tägliche Sehdauer von durchschnittlich 203 auf 244 Minuten im Jahr 2010 gestiegen. Die Nutzungsdauer beim Internet kletterte von 17 auf 77 Minuten. Schon in diesem Jahr prognostizieren die Sender laut ARD/ZDF-Onlinestudie ein Abflachen bei der Fernsehkurve auf täglich 229 Minuten und einen Anstieg der Internetnutzung auf 80 Minuten. Da liegt noch nicht die Dramatik, die kommt aus einer anderen Entwicklung. Die 51,7 Millionen Onliner in Deutschland fragen im weltweiten Netz besonders Bewegtbilder nach: 68 Prozent tun dies, im vergangenen Jahr waren es 65 Prozent. Dabei schauen sich 29 Prozent (2010: 23 Prozent) TV-Sendungen zeitversetzt an. Der Anteil derer, die live im Netz fernsehen, liegt bei 21 Prozent (2010: 15 Prozent). Es sind rund 19 Millionen Menschen, die zumindest gelegentlich Fernsehinhalte im Internet sehen – vier Millionen mehr als 2010. Dabei ist der Zuwachs bei den 14- bis 29-Jährigen überdurchschnittlich hoch. Was Wunder, die Internetnutzung dieser Gruppe hat mit 146 Minuten täglich den Fernsehkonsum mit 147 Minuten nahezu eingeholt.

Davon profitieren auch die herkömmlichen Sender. Die Mediatheken von ARD & Co. boomen, was ZDF-Intendant Markus Schächter zu der optimistischen Aussage verleitet hat: „Das Netz schafft das Fernsehen nicht ab, sondern es wird zu einem wichtigen Ergänzungsmedium für die TV-Sender.“ Wenn Youtube immer mehr Fernsehen wird und mit dem Update der Software Google TV die Darstellung von Youtube-Inhalten auf dem TV-Bildschirm massenkompatibel wird, dann werden die Fernsehsender und der Internet-Gigant ihre Kräfte neu messen – zusammen mit Apples neuester TV-Offensive, die aus dem Nachlass von Steve Jobs für 2013 avisiert ist.

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