Sender-Kauf : Sieben Jahre Nachrichten

Rossmann und Aust kaufen N 24. Das neue Unternehmen liefert News für die Sender von ProSieben Sat 1.

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Vollbracht. N-24-Geschäftsführer Torsten Rossmann (links) und der frühere „Spiegel“-Chef Stefan Aust übernehmen N24 in der neu gegründeten N24 Media GmbH. Foto: pa/obs Foto: picture alliance / obs
Vollbracht. N-24-Geschäftsführer Torsten Rossmann (links) und der frühere „Spiegel“-Chef Stefan Aust übernehmen N24 in der neu...Foto: picture alliance / obs

Die Pro Sieben Sat 1 Media AG trennt sich von ihrem Nachrichtensender N 24. Die Käufer gruppieren sich um das Trio aus dem langjährigen Programmgeschäftsführer Torsten Rossmann, dem Fernsehproduzenten Thorsten Pollfuß und dem früheren „Spiegel“-Chefredakteur Stefan Aust, teilten die Unternehmen mit. Die neu gegründete N 24 Media GmbH übernimmt vom Münchner Fernsehkonzern auch komplett die Anteile an der Produktionsgesellschaft Maz&More. Mit dem Verkauf an Rossmann & Co. gehen die Mitbewerber-Gruppe um Spiegel TV und der russische TV-Investor Dmitri Lesnewski leer aus.

Mit N 24 Media entsteht in Berlin der größte unabhängige Produzent in Deutschland für TV-Informationen. Bedeutendster Auftraggeber ist die Pro Sieben Sat 1 Media AG, deren Sender – Sat 1, Pro Sieben und Kabel eins – bis 2016 weiter von N 24 mit Nachrichten versorgt werden. Am Umfang der „qualitativ hochwertigen Nachrichtenversorgung“ werde sich durch den Verkauf nichts ändern, teilte der Konzern mit. Vorstandschef Thomas Ebeling betonte, „die Zusammenarbeit mit einer starken N 24 Media ist für uns der beste Weg, um das Informationsprofil unserer Sender weiter zu schärfen.“ Inhaltlich sieht Ebeling in der Gründung von N24 Media einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Anbietervielfalt im Nachrichtengeschäft. Auch ein zweiter Auftrag ist der N 24 Media sicher. Bis mindestens Mitte 2014 werden das „Sat-1-Frühstücksfernsehen“ und das „Sat-1-Magazin“ von Maz & More in der Fernsehwerft in Berlin produziert. N-24-Chefredakteur Peter Limbourg wechselt als Senior Vice President Nachrichten & Information zu Pro Sieben Sat 1.

Den Fernsehkonzern kostet der Verkauf laut eigener Berechnung bis zu 41 Millionen Euro, daneben würden Abschreibungen von rund zwölf Millionen Euro anfallen. Unterm Strich aber wird der TV-Konzern sein angestrebtes Ziel der Kostenentlastung durch den Verkauf des defizitären Nachrichtengeschäfts erreichen. Bisher schlägt die News-Lieferung mit jährlich 60 Millionen Euro zu Buche, künftig mit 30 Millionen Euro. Von 2011 rechnet Pro Sieben Sat 1 als Folge des Deals mit einer Gewinnverbesserung von mehr als 25 Millionen Euro.

Die operative Gesamtführung der neuen Unternehmensgruppe übernimmt Torsten Rossmann. Er sagte, „einen Sender wie N 24 aus einem TV-Konzern herauszulösen, ist ein komplexer Prozess. Wir sehen die Potenziale und nehmen die Herausforderung sowie die Verantwortung für die Mitarbeiter gern an.“ Aust will sich „ab sofort“ um zusätzliche Aufträge für neue Reportagen und Dokumentationen kümmern, die zusätzliche Beschäftigung sichern soll. Der Siebenjahresvertrag mit Pro Sieben Sat 1 und das jährliche Produktionsvolumen von 30 Millionen Euro verheißen Zukunft. Die Gruppe wird aus zwei hundertprozentigen Töchtern bestehen, der Maz & More GmbH mit 76 Stellen, die für Sat-1-Frühstücks-TV und -Magazin liefern wird, und der N 24 Gesellschaft für Nachrichten und Zeitgeschehen mbH. Hier kommt es im zweiten Halbjahr 2010 zu „umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen“. Von den 218 Stellen zum 1. September sollen 72 durch Vertragsaufhebungen und Kündigungen abgebaut werden. Danach plant das Unternehmen mit rund 141 Stellen, in der gesamten Gruppe sollen es 217 sein. Bis zu 25 Stellen sollen je nach Auftragslage neu entstehen. Die Belegschaft reagierte auf die jüngste Entwicklung mit gemischten Gefühlen. „Es hätte schlimmer kommen können“, hieß es aus dem Betriebsrat. Der Sendersitz bleibt am Potsdamer Platz.

N24 will sein Programmschema weitgehend beibehalten, sich aber stärker auf die Politikberichterstattung konzentrieren. Ein Teil der N-24-Magazine, die bisher von Pro Sieben Sat 1zugeliefert wurden, sollen durch Dokus und vermehrt Reportagen ersetzt werden.

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