Medien : Sender mit Volmer-TV zufrieden

Aber noch höhere Erwartungen an Fischer-TV

Kurt Sagatz

Der authentische Blick auf die Arbeit eines Untersuchungsausschusses kommt beim Fernsehzuschauer gut an: Insgesamt 440 000 Zuschauer haben am Donnerstag die Befragung des ehemaligen Staatsministers im Auswärtigen Amt, Ludger Volmer, vor dem Visa-Ausschuss des Bundestages live bei den Nachrichtensendern n-tv und N24 sowie dem öffentlich-rechtlichen Sender Phoenix verfolgt.

Phoenix meldete eine durchschnittliche Zuschauerzahl von 230 000 bei einem Marktanteil von 1,6 Prozent. In den ersten zwei Stunden lag die Quote sogar über sechs Prozent. Die Übertragung sei ein „gelungenes Experiment“ gewesen, erklärten die Programmgeschäftsführer Christoph Minhoff und Klaus Radke. Der Sender hatte die Anhörungen am Donnerstag ab neun Uhr in voller Länge übertragen – insgesamt rund 14 Stunden lang. Beim Nachrichtensender n-tv, der die Befragung am Vormittag bis 13 Uhr 30 live übertrug, lag die Zuschauerzahl bei durchschnittlich 160 000 Zuschauern oder 3,1 Prozent Marktanteil. Gegenüber dem sonst üblichen Marktanteil von 0,7 Prozent sei das ein eindeutiger Quotenerfolg, sagt n-tv-Sprecher Philip Hiersemenzel. Beim Berliner Nachrichtensender N24 blieb ein vergleichbarer Zuschauerzuwachs aus. In der ersten Stunde des Volmer-Statements lag der Marktanteil bei durchschnittlich 0,6 Prozent (50 000 Zuschauer), was in etwa der üblichen Quote entspricht, sagte Sprecher Thorsten Pütsch. Der direkte Vergleich der Zahlen ist wegen der unterschiedlichen Sendezeiten nur eingeschränkt möglich.

„Die Volmer-Befragung war vor allem etwas für eine kleine Gruppe politisch sehr interessierter Zuschauer, das wird bei Außenminister Fischer anders sein“, erwartet Pütsch. Entsprechend sei N24 am Donnerstag auch bereits um elf Uhr, also zwei Stunden nach dem Beginn der Volmer-Befragung, aus der Live-Übertragung ausgestiegen. „Wir hatten auch gar nicht erwartet, dass der Zuschauer den ganzen Tag dabeibleiben würde.“ Erst als der Sender aus der durchgängigen Live- Übertragung ausstieg und verstärkt Experten das Wort gab, seien die Quoten wieder gestiegen, so der Sprecher.

Bei der Aussage von Außenminister Fischer am Montag wollen alle drei Sender live dabeibleiben. Allerdings könne die Bildführung des Bundestags-Fernsehens verbessert werden, heißt es bei Phoenix. Das Parlaments-TV hatte den Sendern die Bilder geliefert. Insgesamt hätte die TV-Übertragung der Ausschussarbeit aber eher genutzt als geschadet, so Phoenix. Die Kameras hätten zu einer Versachlichung der Atmosphäre beigetragen.

Durchweg positiv beurteilt N24-Sprecher Pütsch die vom Parlamentsfernsehen gelieferten Bilder: „Die Arbeit des Ausschusses wurde gut und sachlich abgebildet“, so der Sprecher. Für die Aussage Fischers rechnet Pütsch auf jeden Fall mit höheren Quoten. Aufgrund des höheren politischen Status des Ministers habe diese Aussage einen ganz anderen Stellenwert. n-tv-Sprecher Hiersemenzel hält es darum auch für „extrem wahrscheinlich“, dass sein Sender am Montag über 13 Uhr 30 hinaus durchgehend vom Visa-Ausschuss berichten wird, wobei die Pausen für Kommentare, Zusammenfassungen, Hintergründe – und Werbung – genutzt werden sollen.

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