Medien : Sender stehen in Kontakt zum Bundespräsidenten

Kurt Sagatz

Auf ein Mitteilungsrecht muss sich Bundespräsident Horst Köhler nicht berufen, falls er sich – wie allseits erwartet – in der zweiten Wochenhälfte direkt ans Fernsehvolk mit einer Erklärung wenden will, warum er sich für oder gegen die Auflösung des Bundestages entschieden hat. Nach der gescheiterten Vertrauensfrage von Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Bitte um Auflösung des Parlaments hat Köhler für seine Entscheidung insgesamt 21 Tage Zeit. Diese Frist endet am Freitag. Zumindest bei der ARD wird wohl ein kurzer Anruf beim Hauptstadtstudio ausreichen, um die Fernsehkameras in Gang zu setzen. „Klar ist, dass wir eine Ansprache übernehmen würden“, sagte ARD-Sprecher Christian Gramstadt. Er gehört zum Stab von ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann, der während der Abwesenheit von Günter Struve für die Programmplanung zuständig ist. In von der Tanns Verantwortung fällt während dieser Zeit auch die Entscheidung, das aktuelle Programm zu ändern, „wie dies bei Dingen besonderer öffentlicher Wichtigkeit“ üblich ist, wie Gramstadt sagte. „Wir sind sehr flexibel, wie man unter anderem an unseren ARD-Sondersendungen sieht“, so der Sprecher. Wie genau eine Übertragung von Köhlers Ansprache aussehen könnte, weiß allerdings niemand genau. „Wir wissen derzeit weder, an welchem Tag, wie lange und wo Köhler reden könnte“, so Gramstadt.

Einen direkten Zugriff auf die Sendezeiten gibt es auch beim ZDF nicht. „Der Rundfunk ist staatsfern“, sagte dazu ZDF-Sprecher Walter Kehr. Aber: „Wir stehen in Kontakt mit dem Bundespräsidialamt, und man hat zugesagt, uns rechtzeitig einen Hinweis zu geben. Damit könnten wir live übertragen“, sagte Kehr dem Tagesspiegel. Zum Zeitpunkt vermutet man in den Rundfunkhäusern, dass im Bundespräsidialamt die Programmabläufe der Sender bekannt sind. „Besonders gut geeignet für eine Live- Übertragung wären die tagesaktuellen Magazin-Strecken, aber auch nachmittags über die Nachrichtensendungen und am Abend ließe sich genauso viel machen“, heißt es dazu auf dem Lerchenberg in Mainz.

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