Sender und Infrastrukturbetreiber freuen sich schon : Aus Free-TV wird Pay-TV

DVB-T wird durch DVB-T2 HD ersetzt, analoges TV im Kabel verschwindet, Übertragung im SD-Format wird beendet: Bald müssen alle fürs Fernsehen bezahlen.

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Mit dem kostenpflichtigen Privatprogrammen auf DVB-T2 wird das Pay-TV in Deutschland weiter vorangetrieben.
Mit dem kostenpflichtigen Privatprogrammen auf DVB-T2 wird das Pay-TV in Deutschland weiter vorangetrieben.Foto: dpa-tmn

Die Zuschauer in Deutschland wollen immer schärfer fernsehen. Der High-Definition- Standard hat sich in den Haushalten mit Kabel- wie Satellitenempfang mehrheitlich durchgesetzt, dass jetzt beim Antennenfernsehen von DVB-T auf DVB-T2 HD hochgeschaltet wird, sieht vor diesem Hintergrund wie eine schiere Notwendigkeit aus.

Die bisherigen Nutzer des analogen Antennenfernsehens werden gelockt mit 40 und damit deutlich mehr Programmen als bisher, mit einem hochaufgelösten und damit sichtbar schärferen Bild. Dafür müssen sie in die Infrastruktur des Empfangs investieren und von Mitte des Jahres an für den Empfang der privaten Programme von ProSieben bis RTL bezahlen – 69 Euro jährlich. Das ist nur konsequent, weil Zuschauer mit Satelliten- Empfang jährlich 60 Euro für den HD-Empfang der Privatsender bezahlen. Deren möglichem Aufstand, für High Definition bezahlen zu müssen, während die Antennenzuschauer HD quasi umsonst bekommen, sind die Infrastrukturbetreiber und Sender mit der für sie einträglichen Konsequenz ausgewichen, dass künftig über beide Techniken für den Empfang von Privatfernsehen gezahlt werden muss.

Haushaltsabgabe als Grundkomponente von Pay-TV

Mit der Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 HD wird der längst eingeschlagene Weg weiterverfolgt: Was technischer Fortschritt heißt (und auch ist), das ist zugleich die Umwandlung des Free-TV, wie es die Fernsehzuschauer heute noch kennen und so nennen, in ein flächendeckendes Pay-TV. Die wichtigste Komponente ist mit der Haushaltsabgabe für ARD und ZDF von rund 210 Euro jährlich seit Beginn 2013 gesetzt. Jetzt kommt der kostenpflichtige Empfang des Privatfernsehens bei DVB-T2 HD. Die nächsten Schritte sind angekündigt. Zunächst wird auch im Kabel die analoge Fernseh-Verbreitung eingestellt. Das Kabelunternehmen Unitymedia wird Ende Juni 2017 in Nordrhein-Westfalen. Hessen und Baden- Württemberg die analoge Übertragung komplett einstellen, sehr wahrscheinlich werden Vodafone und Tele Columbus in den übrigen Bundesländern nachziehen. Die Digital-Kunden zahlen in der Regel mehr als die Analog-Kunden.

Die Privatsender haben sich darüber hinaus bis 2022 gegenüber dem Kartellamt verpflichtet, ihre Programme in Standard-Auflösung (SD) ohne Verschlüsselung über Satellit zu verbreiten. Allerdings drängt die KEF-Kommission ARD und ZDF, das SD-Signal schnellstmöglich zugunsten von HD aufzugeben. Die parallele Ausstrahlung in beiden Standards kostet die Sender, unabhängig ob privat oder öffentlich-rechtlich, mehr Geld, als wenn sie nur in HD ausstrahlen. Und für RTL & Co. verhieße das doppelten Nutzen: Kein Geld mehr für SD, Extrageld für HD.

Kippt Verschlüsselung die Haushaltsabgabe?

2022, wenn nicht früher, wird der Fernsehempfang in deutschen Haushalten ausschließlich auf HD-Basis erfolgen, bei DVB-T2 HD, im Kabel und beim Satelliten. Was mal Free-TV war, wird dann Pay-TV sein.

Dann aber, wenn der Fernsehempfang invidualisiert und über Verschlüsselung/Settop-Box addressierbar geworden ist, wird die Haushaltsabgabe für ARD und ZDF unter Druck geraten. Ein wesentliches Motiv, von der geräteabhängigen Gebühr zur geräteunabhängigen Haushaltsabgabe zu wechseln, war die grassierende Plage des Schwarzsehens und Schwarzhörens. Mit dem verschlüsselten Pay-TV – siehe Sky – wird nur der öffentlich- rechtliches Fernsehen nutzen können, der auch dafür bezahlt. Und weil Verschlüsselung das möglich macht, könnte von der Zwangsabgabe für ARD und ZDF wieder zur Abgabe nach Nutzung gewechselt werden. Und das wäre dann auch an der Zeit. Derzeit füllt der technische Fortschritt nur den Sendern und den Infrastrukturbetreibern die Taschen. Joachim Huber

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