Sendungsbewusst : Für tolle Mädels

Quatschen ist ihr Ding: Silvia Hanz betreibt Berlins erstes Mädchenradio. Das Fernziel ist eine eigene UKW-Frequenz.

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Um selbstbewusste Weiblichkeit geht es Silvia Hanz mit ihrem Mädchenradio. Die Themen reichen von Kultur, Politik und Wirtschaft bis zu Schminktipps und Kochen. Foto: Rückeis
Um selbstbewusste Weiblichkeit geht es Silvia Hanz mit ihrem Mädchenradio. Die Themen reichen von Kultur, Politik und Wirtschaft...

Silvia Hanz hat eine angenehme Stimme und redet gern. Über Musik, Klamotten, das Leben in all seinen Facetten. Wer sich mit ihr unterhält, hat das Gefühl, dass man alles mit ihr besprechen könnte. Vielleicht auch aus diesem Grund bescheinigen ihr Freunde immer wieder: „Quatschen kannst du, das ist dein Ding.“ Wie richtig sie mit dieser Einschätzung liegen, stellt Silvia Hanz heute Abend zwischen 20 und 21 Uhr unter Beweis. Dann kann man die 34-Jährige als Moderatorin der zweiwöchtlichen Sendung „Mädchenradio“ hören, zu empfangen auf der Kabelfrequenz 92,7 MHz und im Internet-Live-Stream von Alex Radio.

Gewalt gegen Frauen, weibliches Einkaufsverhalten oder die besonderen Vorlieben von Frauen für Schuhe und Handtaschen – das sind die Themen, denen sich Hanz und ihr Redaktionsteam in den vergangenen Ausgaben gewidmet haben. Zwischen den einzelnen Beiträgen läuft Musik von Madonna, Gwen Stefani und Björk. „Ein bisschen Weiberkram, ein bisschen Rock ’n’ Roll“, so lautet der Slogan von „Mädchenradio“, das bewusst weibliche Hörer ansprechen will, Frauen zwischen 18 und 45 Jahren. Oder wie es Silvia Hanz formuliert: „Tolle Mädels.“

Es gibt Dutzende Zeitschriften, Fernsehsendungen, die sich speziell an Zuschauerinnen richten, vor zwei Jahren startete die ProSiebenSat1-Gruppe sogar den Frauenkanal Sixx. Einen Radiosender, der auf weibliche Themen und Hörgewohnheiten zugeschnitten ist, gibt es bislang nicht. Eine Marktlücke, findet Silvia Hanz. Sie ist davon überzeugt, dass ein Sender, in dem es um „selbstbewusste Weiblichkeit“ geht, Berlin gut zu Gesicht stünde. Und weil der bisher fehlt, will sie ihn einfach selber auf den Weg bringen. „Wir können mehr als nur eine einstündige Sendung“, sagt Hanz

Seinen Anfang nahm alles vor einem Jahr. Die gebürtige Ludwigshafenerin hatte zu diesem Zeitpunkt ihr Studium zur Diplomkulturwirtin längst abgeschlossen, etliche Praktika und Hospitanzen absolviert, etwa im Auswärtigen Amt, bei der Deutschen Welle und in der Redaktion des ZDF-Kulturmagazins „Aspekte“. Eine Festanstellung blieb trotzdem aus – das leidige Schicksal der Generation Praktikum. Deshalb besann sich Silvia Hanz darauf, etwas Eigenes zu machen. Mit einer ersten Vorstellung von „Mädchenradio“ im Kopf nahm sie an einem Seminar für Existenzgründer teil. Dort half man ihr bei der Erstellung eines Businessplans. Wenig später schaltete sie eine Anzeige auf einer Online-Plattform: „Junger Radiosender in Berlin sucht Mitarbeiter. Sonnige Idealisten gesucht, möglichst mit Radioerfahrung.“

Mehr als 200 Interessenten meldeten sich. Nach etlichen Bewerbungsgesprächen stand das Team: sieben Frauen und drei Männer. Einmal wöchentlich trifft sich die zehnköpfige Gruppe seither in einem Café in Prenzlauer Berg und bespricht mögliche Themen und Rubriken. Seit vergangenem November ist sie sogar noch engagierter, weil sich die Möglichkeit einer monatlichen Show bei Pi Radio auf der UKW-Frequenz 88,4 MHz bot. Im März wechselten Hanz und ihr Team zu Alex Radio, dem Hörfunkableger des gleichnamigen Fernsehsenders, der aus dem Offenen Kanal Berlin (OKB) hervorgegangen ist. Das Studio des nichtkommerziellen, von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) betriebenen Bürgersenders befindet sich in der Voltastraße in Wedding.

Ihre Sendung will Silvia Hanz nicht als „Emanzenradio“ missverstanden wissen. Interviews mit Frauen aus Kultur, Politik und Wirtschaft sollen ebenso Platz haben wie Schminktipps und Kochrezepte. Es ist die Art von neuem Feminismus, der sich bewusst absetzt von der Übermutter Alice Schwarzer. Der aber, im Fall von Hanz, nicht weniger sendungsbewusst ist: Langfristig ist eine eigene UKW-Frequenz ihr Ziel. Um zu beweisen, dass sie ein Vollprogramm stemmen kann, bemühte sich Hanz um einen 30-tägigen Sendeplatz beim Veranstaltungsradio, als Referenz für eine spätere Bewerbung auf eine Vollfrequenz. Ein zweitägiges Festival auf dem Gelände des RAW-Tempels in Friedrichshain Anfang Juni hatte sie zum geplanten Sendestart bereits organisiert, verschiedene Künstler hatten Auftritte zugesagt, darunter die Sängerin Johanna Zeul. Der Plan scheiterte jedoch an der MABB, die eine Sendeerlaubnis verwehrte. Das Festival fand trotzdem statt, es war Thema der vergangenen Sendung. Silvia Hanz will nun weiterhin für ihre Idee eines Radiosenders für Frauen kämpfen. Jetzt erst recht.

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