Medien : Serienkiller und Stalker

Dem „Tatort: Der Tote vom Straßenrand“ aus Saarbrücken mangelt es nicht an Verdächtigen

Barbara Sichtermann

Ein Mann bricht hinterm Steuer seines Wagens zusammen. Die Polizei ist ratlos. Plötzlicher Herztod? Gerichtsmedizinerin Dr. Singh erkennt Tod durch Ersticken: Da kam kein Sauerstoff mehr ins Blut des Fahrers. Nun müssen Kommissar Kappl und sein Kollege Deininger noch mal ausrücken und sich das Auto genauer ansehen. Tatsächlich, da ist manipuliert worden, das geruchlose Kohlenmonoxid wurde ins Wageninnere geleitet. Und das Opfer sollte und konnte nichts davon merken – bis es zu spät war.

Über diese heimtückische Form der Vergiftung lernt man viel bei dem neuen „Tatort“, denn es handelt sich um eine ganze Mordserie, immer nach demselben Muster, und um die Jagd nach dem dazugehörigen Serienkiller, der alte Rechnungen auf eine derart radikale Tour begleicht. Selbst Kappl und Deiniger geraten in Lebensgefahr und dürfen, um den Gastod zu entkommen, endlich mal richtig gut zusammenarbeiten – während sie ja sonst meistens drauf sind wie Hund und Katze. Denn, zur Erinnerung: Kappl kommt aus München an die Saar und besetzt den Posten, von dem Deiniger findet, dass er ihm zugestanden hätte. Klar, dass die Atmosphäre erst mal nicht die beste ist. Aber gut, in „Der Tote am Straßenrand“ kooperieren sie, wenn’s drauf ankommt, gar nicht schlecht. Denn was ein echter Profi ist, dem geht der Arbeitserfolg über alles. So gestaltet sich die Haupthandlung – die Erkundung der Mordmethode und die Dingfestmachung des Täters – leidlich spannend. Das Problem dieses Films ist die Nebenhandlung, deren Existenzberechtigung sich nicht so ganz erschließt.

Da ist die bildschöne Gerichtsmedizinerin Dr. Singh, die nichts dafür kann, dass die Männer ihr nachstellen, auch nicht, dass einer dabei ist, der sie belästigt und bedroht. Was die Sache pikant macht, ist, dass sie einst mit diesem fiesen Kerl ein Verhältnis hatte, wenn auch nur kurz. Und noch pikanter wird die Geschichte, als Kappl den Stalker polizeilich von seinem üblen Tun abzubringen versucht, in Wahrheit aber bloß eifersüchtig ist, da seinerseits, wie nicht anders zu erwarten, verguckt in die zauberhafte Kollegin. Das Problem: Die Stalkerei und die bedrängte Gerichtsmedizinerin haben mit den Kohlenmonoxidmorden weiter gar nichts zu tun. Man wartet auf eine Querverbindung, man glaubt, eine zu erahnen, und dann war’s doch wieder nichts. Und so hat man nicht mal an der Pikanterie einen rechten Spaß. Es sind zwei Filme in einem, die man zu sehen kriegt. Man hätte aber lieber nur einen, und den dafür schön ausführlich.

„Tatort: Der Tote vom Straßenrand“; ARD, 20 Uhr 15

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