Medien : Sex? Eine Frage des Outfits

Nur für Frauen: In Prada wird die Liebe auch nicht leichter

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LETZTE STAFFEL VON „SEX AND THE CITY“: WARUM FRAU UND MANN EINSCHALTEN

Die Serie „Sex and the City“, das sind schöne Frauen in tollen Kleidern in einer großartigen Stadt. Eigentlich billig. Nach diesem Muster sind doch alle Frauenzeitschriften und irgendwie auch alle Männerzeitschriften gestrickt. Außerdem sind Geschichten, in denen Schokoladentorte und Kleidergröße 34 keinen Widerspruch bilden und sogar halbwegs vernünftiger Sex auf Lederschaukeln möglich ist, albern, unrealistisch und letztlich auch überflüssig. Wirklich: „Sex and the City“ ist albern und unrealistisch. Aber nicht überflüssig. Denn unter der dicken Schicht Pelz, Samt und Puder, die die Serie wie zum Schutz aufträgt, steckt ziemlich viel Wahres. Und da wird es richtig interessant.

Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte reden nur über Sex. Was sie aber leben, sind Freundschaft, Liebe, Zusammenhalt. Damit können sehr viele Frauen etwas anfangen. Leider auch mit Unsicherheit, Enttäuschung und Liebeskummer. Dass die Sache mit den Männern in Prada zwar bedeutend besser aussieht, aber trotzdem nicht einfacher ist – das ist die banale, aber ganz schön tröstliche Botschaft von „Sex and the City“.

Die kleinen Dinge, die den Alltag zersetzen – überhaupt: Alltag –, zeigt die Serie nicht. Probleme mit der Arbeit, mit Familie, Geld und Gewicht haben in Manhattan die anderen. Aber wer braucht schon Bestätigung aus dem Fernsehen, dass das Gehalt tatsächlich nie reicht, dass man mit Eltern wirklich nicht vernünftig reden kann und Hosen sowieso nie gut sitzen? In „Sex and the City“ können die Protagonistinnen sogar Babys bekommen, das „wahre“ Leben wird sie trotzdem nie erreichen. Das ist nämlich viel zu profan und sieht einfach auch schlecht aus. Denn wenn es ein Tabu in der Serie gibt, dann ist es keine grenzwertige Sextechnik, sondern schlechte Kleidung.

„Sex and the City“ ist die stilsicherste Serie, die je im Fernsehen lief. „Friends“-Star Jennifer Aniston kann den maßgeblichen Haarschnitt haben, Sarah Jessica Parker hat das maßgebliche Outfit. Von Carrie lernen, heißt, sich gut anziehen zu lernen. Mehr nicht. Aber das reicht auch. „Sex and the City“ will nicht zeigen, wie man’s „richtig“ macht, den richtigen Mann findet, ihn an sich bindet und auch noch guten Sex hat. Eine Serie, die das zum Ziel hat, kann nicht lustig sein. „Sex and the City“ setzt stattdessen auf sexuelle Fehltritte und verunglückte Beziehungen. Das ist manchmal tragisch, aber meistens sehr lustig.

„Sex and the City“, das sind witzige Frauen in schwierigen Beziehungen in tollen Freundschaften. Hannah Pilarczyk

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