SEX-TV : Alarm und Kritik: Pro 7 verschiebt Sexprotz-Wette

Schon vor der Premiere empört eine von ProSieben geplante Sendung. In der DokuSerie „50 pro Semester“ wetten fünf Studenten, wer in sechs Monaten 50 Männer oder Frauen ins Bett bekommt. Das Ganze ist kein echtes Realityformat, sondern eine Scheindokumentation mit Laiendarstellen. Diese Konstellation macht das Aufreißen am Fließband zu einer Billigproduktion wie die Ermittlerdoku „Niedrig und Kuhnt“ bei Sat 1. Billig, aber beliebt. Zudem erlaubt der fiktionale Drehmoment, das Geschehen direkt auf Höhe- und Tiefpunkte hin zu steuern. Ob gestellt oder echt, allein die Versuchsanlage dieser „Scripted Reality“ ruft Kritik hervor. „Es ist eine verheerende Botschaft an alle Zuschauer, wenn Frauen und Männer in einer Art modernen ,Kopfgeldjagd’ zu Sexobjekten degradiert werden“, sagte Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) der „Passauer Neuen Presse“. Der Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz, Wolf-Dieter Ring, sagte, „Sexualität und Liebe werden möglicherweise zum Objekt“. Ob „50 pro Semester“ gegen das Jugendschutzgesetz vorstößt, sei aber erst nach der Ausstrahlung zu sagen. Noch kein Kritiker hat auch nur eine Minute des Formates gesehen, allerdings haben die Dreharbeiten in München erst am Montag begonnen. Eine Pro-Sieben-Sprecherin wusste schon, alles sei jugendfrei.

Des öffentlich Aufschreis wegen verschiebt ProSieben den für den 18. Januar geplanten Start der fünfteiligen Reihe auf unbestimmte Zeit, erklärte Sendersprecher Christoph Körfer. Dabei ist nicht viel mehr passiert als vor Ausstrahlung der RTL-Reihe „Erwachsen auf Probe“ im Sommer. Damals hatte es große Aufregung um das Format gegeben, in dem Teenager fremde Babys und Kinder versorgen mussten, um sich als Eltern zu testen. Eine Allianz aus Kinder- und Medienschützern, Politikern und besorgten Bürgern hatte ohne Erfolg versucht, die Sendung zu stoppen. Für das RTL-Format bedeutete dies viel Werbung. ProSieben entschied, der Diskussion erst mal aus dem Weg zu gehen. jbh/dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar