Medien : Sex und die Muppets-Show

M. Ehrenberg

Nach neun Tagen Olympia ist es Zeit, zwei Dinge anzusprechen, die an dieser Stelle eindeutig zu kurz gekommen sind: Eurosport und Sex.

Um es kurz zu machen: Wem Berichterstattung und Reporter bei ARD/ZDF nicht gefallen (zu miesepetrig, zu befangen, zu eventig), dem sei Eurosport ans Herz gelegt, gerade jetzt, wo die Leichtathletik begonnen hat. Schon deswegen, weil die Kommentatoren Dirk Thiele und Siggi Heinrich praktisch während der gesamten Übertragungen nicht zu sehen sind. Sie stehen nie im Mittelpunkt. Das übt in Demut. Ihr Ton ist witzig, qualifiziert, kritisch, meistens zumindest. Thiele/Heinrich haben gute Kontakte ins Lager der Aktiven, durften früher fürs DDR-Fernsehen kommentieren. Manchmal hören sie sich zwar an wie die beiden Opas aus der Muppets-Show, und auch Russland- und Sowjet-Hymne werden gerne mal durcheinander gebracht. Ist aber immer noch besser als das endlose Studiogeplauder der Kollegen Poschmann/Steinbrecher, bei denen man nicht weiß, ob nicht ein Spiegel neben der Kamera steht.

Oder was in die Kamera gehalten wird. Damit zum Thema Sex. Das heißt: Beachvolleyball-Spielerinnen. Da wird kräftig inszeniert bei ARD/ZDF. Features sind geschnitten wie HipHop-Videos. Hintern, Busen, Hintern. Gut, die Spielerinnen tragen keine Ganzkörperkondome wie die Schwimmer. Aber sind knappe Trikots gleich „geiler Sport“ (O-Ton bei Beckmann)? Der Höhepunkt am Freitag nach dem Ausscheiden der beiden Deutschen gegen die Italienerinnen: eine große Bildgrafik mit Damenpo. Davor Moderator Poschmann: „Solche Grafiken lassen wir uns gerne gefallen.“ Nein, Poschi, wir nicht. Mit dem Zweiten sieht man besser? Da lobe ich mir Eurosport, die neutrale Kameraführung, bei der die besten Athleten gezeigt werden, egal wie sie aussehen. Wenn einer anzügliche Bemerkungen machen darf, dann die Opas aus der Muppets-Show.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben