Medien : SFB und ORB: Der Intriganten-Stadel

Erik Heier

"Ich lasse mich von niemandem drängen, ich lasse mich auch nicht ausbremsen". Nein, Verunsicherung oder gar Druck lässt sich Horst Schättle nicht anmerken. Der SFB-Intendant sagt von sich selbst, er sei ein "optimistischer Realist", was die angestrebte Fusion der beiden Sendeanstalten SFB und ORB angeht. Entsprechend entspannt gab er sich bei der außerordentlichen Sitzung des SFB-Rundfunkrats am Dienstag auf dem IFA-Gelände. Einziger Tagesordnungspunkt: "Stand der Vorbereitungen zur Fusion SFB/ORB".

In seiner Juli-Sitzung hatte der Rundfunkrat mit großer Mehrheit die Fusion befürwortet. Die beiden Sender haben dazu Arbeitsgruppen gebildet. Schättle bekräftigte die Eckwerte: Gesamtrechtsnachfolge "ohne Wenn und Aber", Sitz der Anstalt: Berlin und Potsdam, keine Programmfestlegungen im Staatsvertrag, keine Personalobergrenzen.

So weit, so gut. Aber weil im SFB-Rundfunkrat Vertreter verschiedenster Gruppierungen, von der Katholischen Kirche bis zum Landeselternausschuss, sitzen, steckt der Teufel im Detail. Da wird moniert, ohne staatsvertraglich geregelte Programmumfänge wäre jegliche Personalplanung schlicht unmöglich. Dem Nächsten leuchtet nicht so recht ein, welche Einspareffekte eine Fusion erbringen solle, wenn ein fusionsbedingter Personalabbau ausgeschlossen sei. Und nicht zu vergessen: Beim Feilschen um die Aufteilung von Hörfunk- und Fernsehintendanz dürfe der Berliner Standort Masurenallee keinesfalls allzu stark beschnitten werden. Die Vertreterin der PDS im Rundfunkrat, Bärbel Grygier, konstatierte eine "unendliche Defensivhaltung".

Pünktlich zur Sitzung des SFB-Rundfunkrates wurde nun auch noch ein Papier der Senatskanzlei in die Presse lanciert, in dem das Sender-Mangagment und das Fernsehprogramm des SFB heftig abgewatscht wurde. Beim Senat wird nun gegrübelt, wie das nur für den internen Gebrauch bestimmte Papier (Titel: "Die Stellung des SFB in der Rundfunklandschaft") auf die Schreibtische von "Süddeutscher Zeitung" und "Spiegel" gelangte. "Der Senat ist entschlossen, diese Fusion durchzuführen", sagte der stellvertretende Senatssprecher Albert Eckert. "Da wird er sich doch nicht selbst ein Bein stellen".

Wer ist aber dann der Beinsteller? Das "intrigante Papier" (SFB-Pressemitteilung) war bereits im Januar 2001, noch unter dem Regierenden Bürgermeister Diepgen, verfasst worden. Die Rundfunkratsvorsitzende Marianne Brinckmeier wetterte, diese "diskreditierenden Äußerungen" sollten "den eingeleiteten Dialog über die Fusion zwischen SFB und ORB zerstören." Wer weiß? Vorstellbar ist auch, dass jemand, inmitten der Fusions-Debatte, der SFB-Chefetage motivierend auf die Sprünge helfen wollte, damit sie stärker Position für den eigenen Sender bezieht. Zumindest für die eigene Person hat Schättle dabei keinen Bedarf. Wer der neue Intendant würde? Ist ihm egal: "Ich lächle da ganz laut und sage: Ich mit Sicherheit nicht."

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