Medien : SFB und ORB: Flitz-Funk

Robert Ide

Radio Eins ist ein schöner Sender. Er versorgt seine Hörer mit Nachrichten, Musik und Service. Die Moderatoren halten sich mit dummen Witzen zurück. Das ist nichts Besonderes, sollte man meinen. Doch wer die vielen Berliner Dudel-Radios mit ihren Gewinnspielen und Hit-Mixes kennt, weiß es zu schätzen. Immer mehr Menschen haben deshalb den Nischenfunk von SFB und ORB für sich entdeckt. Nach drei Jahren tauchte der Sender endlich auch in der Media-Analyse auf. Radio Eins hat sich etabliert. Mit Hilfe von altmodischer Qualität.

Doch den Sendemachern reicht das nicht. Sie sehen Probleme: Nur 15 Prozent der Berliner kennen die Station, 85 Prozent der Erwachsenen hören lieber Privatfunk. Chefredakteur Helmut Lehnert hat da nur eine Lösung: Wandel durch Annäherung.

Seit Montag hat Radio Eins ein neues Sendeschema. Es gibt moderne Jingles, weitläufige Eigenwerbung und zwei neue Moderatoren am Morgen. Stefan Rupp und Christoph Gieser, beide Mitbegründer des DJ-Senders "Kiss FM", dürfen nun öffentlich-rechtlich herumblödeln. Vielleicht braucht man solch eine "Morgencrew" heutzutage. Sonst kann man womöglich nicht den "Preis der deutschen Stromwirtschaft" für die beste Morgensendung Deutschlands verteidigen. Radio Eins hat diesen Pokal. Noch.

Den Privaten soll überall Paroli geboten werden, auch auf den Straßen. Bei der Information über Radarkontrollen der Polizei, die so genannten "Flitzer-Blitzer", soll sich der Radio-Wettbewerb entscheiden. Deshalb hat auch Radio Eins einen "Blitzmerker" installiert und seine Hörer um Anrufe gebeten, wenn sie eine Radarfalle sehen. Doch wer sich bei der Hotline meldet, wird mit dem Satz empfangen: "Wollen Sie sich auch beschweren?" Der Sender hat offenbar mehr Anrufe bekommen als gedacht - allerdings nicht von geblitzten Flitzern, sondern von der erbosten Hörerschaft.

Jetzt legt der Sender den Rückwärtsgang ein. Original-Töne von Autofahrern, die mit einer Hand am Steuer und der anderen am Handy die Polizei austricksen wollen, sollen wieder vom Äther verschwinden. Trotzdem meint Lehnert, dass "private Hörer nur mit ihren Hörgewohnheiten zu kriegen sind". Doch fürs Erste bremst er ab. "Vielleicht sollten wir an manchen Stellen zu alten Werten zurückkehren." Das klingt vernünftig. Doch der nächste Angriff kommt bestimmt. Vielleicht will Radio Eins dann seine Hörer mit einer neuen Innovation ködern: "Super-Oldies und Hits von heute".

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