Medien : SFB und ORB: ORB-Chef Rosenbauer im Interview

ORB,SFB wollen eine gemeinsame Anstalt bilden.

ORB und SFB wollen eine gemeinsame Anstalt bilden. Was muss der neue Sender besser machen als die beiden bestehenden Anstalten - gerade was die Programme angeht?

Mit einem künftigen Anteil von sieben Prozent an den ARD-Gemeinschaftsprogrammen lassen sich klarere Akzente setzen - im Fernsehspiel, der Unterhaltung, der Kultur und natürlich in der Information. Vor allem kann die Rundfunkanstalt für Berlin/Brandenburg durch eine geschickte Regionalisierung und ohne Zusatzkosten auf die speziellen Erwartungen in Berlin, in den größeren Städten Brandenburgs, im Ballungsraum und im ländlichen Bereich eingehen.

Welche bestehenden Probleme kann ein fusionierter Sender wirklich lösen?

Mit einem Finanzvolumen von über 600 Millionen DM ist der Sender dauerhaft überlebensfähig und nach einer Überganszeit nicht auf Zuwendungen anderer ARD-Anstalten angewiesen. Die Personalstärke wird sich am Umfang des Programms orientieren.

Wie sollen sich die Aufgaben auf die beiden Standorte Berlin und Potsdam verteilen?

Alle Verantwortlichen, Geschäftsleitungen wie Gremien, müssen aufhören, in "wir und ihr" zu denken. Die Einrichtungen müssen wirtschaftlich und programmlich sinnvoll genutzt werden. Da wo die Musik spielt, muss auch über sie berichtet werden.

ORB heißt auch "ostdeutsch" und "Brandenburg", SFB auch "West-Berlin" und "Hauptstadt". Diese Signaturen wurden beiderseits eifrig gepflegt - künftig nicht mehr?

Weder das gemeinsame Vorabendprogramm im Ersten, noch Fritz, RadioEINS oder InfoRadio orientieren sich an solchen Begriffen. Die neue Anstalt wird eine noch weitergehende Integrationsfunktion haben. Solange es allerdings bei zwei getrennten Bundesländern bleibt, wird es auch zwei Landeswellen im Hörfunk geben. Und im Fernsehen müssen in einem Programm für Berlin und Brandenburg entsprechend große regionale "Fenster" geöffnet werden.

Bislang sind Verhandlungen zwischen ORB und SFB - siehe Hörfunk-Kooperation - im Ergebnis dünn gewesen. Was macht Sie für die anstehenden Gespräche optimistisch?

Wenn sie die umfangreichste Kooperation aller ARD-Anstalten als "dünn" empfinden, kann ich das nicht teilen. Mit dem Ziel einer gemeinsamen Anstalt gibt es keine zwei Seiten mehr, sondern nur noch das Bemühen, den Tisch möglichst reichlich zu decken.

Wann könnte die neue Anstalt starten?

Das liegt an der Politik. Wenn der Staatsvertrag bis Ende nächsten Jahres von den Parlamenten verabschiedet ist, kann mit der Konstituierung des neuen Rundfunkrates 2003 die Gründungsphase begonnen, der künftige Intendant gewählt und am 1.1.2004 mit dem Sendebetrieb begonnen werden.

Stehen Sie als Intendant zur Verfügung?

Den neuen Intendanten wählt der neue Rundfunkrat.

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