Medien : Shaft

„Shaft“, der Kinoerfolg um einen schwarzen Privatdetektiv, bedeutete Anfang der siebziger Jahre einen Befreiungsschlag für das „Black Cinema“ und damit für das Selbstbewusstsein der „Black Community“ an sich. Plötzlich durfte ein schwarzer Detektiv (Richard Roundtree) mindestens ebenso cool auftreten wie seine weißen Kollegen und noch mehr Frauen flach legen, als der in dieser Hinsicht nun auch nicht gerade zimperliche „James Bond“. Wenn es sich auch bei Gordon Parks’ Original (2000 kam ein Remake in die Kinos) nun bei weitem nicht um ein cineastisches Meisterwerk handelte, so erschloss sich sein Reiz doch aus einem Stil- und Selbstbewusstsein. Da intonierte der schwarze Soul-Sänger Isaac Hayes im titelgebenden, Oscar gekrönten Jahrhundert-Song die Frage „Who’s the black private dick that’s a sex-machine to all the chicks?“. Und im Chor stimmten eben jene Chicks die Antwort an: „Shaft“ natürlich!

Nach den Rassenunruhen der Sechziger, als zum Beispiel in L.A. ganze Stadtteile brannten, fürchteten Weiße, dass „Shaft“ und eine ganze Reihe von – auch weiblichen – Epigonen mit diesem so genannten Blaxploitation-Kino (das sinngemäß „black exploitation“ – „Ausbeutung schwarzer Kultur“ – bedeutet) die Unruhen wieder befeuern würden. Die Begeisterung hielt sich dementsprechend sehr in Grenzen, als bei CBS einige aufgeklärte Geister beschlossen, „Shaft“ nun auch noch auf dem Fernseh-Bildschirm ermitteln zu lassen.

Sorgen, die sich als überflüssig herausstellten, nicht nur weil der schwarze Protestsänger Gil Scott-Heron schon damals wusste: „The Revolution will not be televised“. Sondern auch, weil die Zuschauer einen gezähmten „Shaft“ vorgesetzt bekamen, der nun nicht mehr gegen, sondern mit der Polizei arbeitete und damit zum (weißen) Establishment gehörte. Diese weichgespülte Variante ihres Idols aber wollten die Fans nicht sehen, so dass die Serie schon nach einer Staffel wieder eingestellt wurde. Andreas Kötter

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