Show : "Wetten, dass ...?" macht Wohnzimmer schöner

Das sind die Fakten: Die 184. Ausgabe der Unterhaltungsshow "Wetten, dass ...?" sahen am Samstagabend 9,85 Millionen Zuschauer; das entspricht einem Marktanteil von 32 Prozent. Die Sendung des Moderators Thomas Gottschalk dauerte drei Stunden. Aber Fakten haben noch nie dabei geholfen, diese Show zu erklären, sie zu verstehen.

Matthias Kalle

Jeden Sonntagmorgen danach sitzen TV-Kritiker an ihren Schreibtischen und versuchen wieder eine Analyse, eine Einordnung – wahrscheinlich auch, um selber zu verstehen, warum sie sich das schon wieder angeschaut haben.

Das ist dann die Meinung, das Gefühl, die Ahnung: „Wetten, dass ...?“ ist nach über 25 Jahren bei sich selbst angekommen – und in den Wohnzimmern der Deutschen. Nicht als Event, nicht als großer Moment, über den man dann am Montag in den Kantinen und auf den Schulhöfen der Republik spricht, sondern eher als Bild, das man sich einmal im Monat Samstagabends ins Wohnzimmer hängt, um den Raum gemütlicher zu gestalten.

Dieses Bild variiert, im Moment wird es dominiert von einer hübschen blonden Frau, Michelle Hunziker, deren Engagement für „Wetten, dass ...?“ die beste Idee seit langem ist. Bereits bei ihrem zweiten Mitwirken hat sie Präsenz und Souveränität, die Freude, die Gottschalk manchmal fehlt, nimmt man ihr ab, sie fühlt sich wohl in der Sendung, eine wichtige Eigenschaft guter Moderatoren. Sie trägt und erträgt vieles – Gottschalk muss nichts mehr tragen oder ertragen, er ruht in sich mit der Gewissheit eines Mannes, den nichts mehr aus der Bahn wirft. Er erträgt sogar einen Gast wie David Garrett, einen Geigenspieler, der sich an seinem Instrument festhielt, als würde er sonst umfallen. Garrett war der große Irrtum der Show, dauernd hatte man Angst, er beginnt sein Geigenspiel, denn die Geige, Donnerwetter!, sie passt einfach immer. Sie passte Samstagabend eigentlich nie, dafür passten endlich mal wieder die Wetten, die so absurd waren, wie man es sich wünscht. Völlig zu Recht gewann der Baggertyp, der mit seinem Gefährt Basketball spielte.

War das epochal? Wichtig? Unglaublich? Nö – das war alles im Grunde die 184. Ausgabe des Immergleichen. Ob es das noch braucht? Die Fakten sagen Ja. Und die Meinung, das Gefühl, die Ahnung, die sagen: Die 185. Ausgabe kommt wieder an die Wand. Sonst würde da, genau an dieser Stelle, irgendwas fehlen. Und ein Ersatzbild ist weit und breit nicht in Sicht.

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