Medien : Sibirische Komödie

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Tom Peuckert verrät, was

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Diese Woche ist der Kanzler in Sibirien gewesen. Gemeinsam mit dem russischen Präsidenten hat er die Uralstadt Jekaterinburg besucht. Zwar gibt es da keine richtige Landebahn für Regierungsflugzeuge, aber im Boden stecken gewaltige Reichtümer. Milliardengeschäfte mit Gas und Öl bahnen sich an, eine Erfolgsstory für die Wirtschaftsnachrichten. Wer andere Geschichten über Sibirien hören will, sei an die Hörspielreihe „Zeitreserve Sibirien“ verwiesen. Eine Sammlung künstlerischer Texte, die von Sibiriens Vergangenheit und Gegenwart erzählen. Tschechow über die Insel Sachalin, Wassili Schukschin über sibirische Gauner, Valentin Rasputin über Naturzerstörung auf sibirische Art.

Zum Auftakt der bis in den Dezember dauernden Reihe eine schwarze Komödie, geschrieben von zwei Brüdern aus Jekaterinburg. Wladimir und Oleg Presnjakows „Europa – Asien“ ist die Entzauberung aller sibirischen Mythen, an die glückliche Touristen noch glauben mögen. Direkt am Grenzstein wartet ein Trupp krimineller Straßenschauspieler auf Reisende, um ihnen eine echt sibirische Hochzeit vorzugaukeln. Es gibt gepanschten Wodka, damit die Touristen ihre Geldbeutel öffnen. Die Bande läuft zur Höchstform auf, als ein deutscher Reisebus vorfährt.

Im Anschluss an die nihilistische Burleske erwartet den Hörer ein aufschlussreiches Gespräch unter SibirienExperten. Der Journalist Klaus Bednarz , der russische Wissenschaftler Gasan Gusejnow und der Schriftsteller György Dalos reden über die Gegenwart eines unbekannten Kontinents. Einerseits die größte ökologische Reservefläche der Erde, andererseits ein ökonomisches Notstandsgebiet. Neun Monate Winter, Temperaturen bis minus sechzig Grad. Dazu die immer rabiatere Ausbeutung der Bodenschätze. Die Experten sind sich einig, dass selbst sibirische Reserven heute nicht mehr unerschöpflich sind (Deutschlandfunk, 11. Oktober, ab 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Auch die mentalen Reserven der Hauptfigur in Elo Sjogrens Hörspiel „Hallo Gott“ sind erschöpft. Gerda ist eine Frau in den mittleren Jahren, die gerade ihren Mann erstochen hat. Jetzt versucht sie, mit Gott zu telefonieren. Natürlich bleibt Gerda in der Warteschleife hängen, was sie nicht am Reden hindert. Eine Lebensbilanz als verbaler Amoklauf. Ein furioses Solo für die Schauspielerin Ulrike Krumbiegel (Radio Kultur, 17. Oktober, 21 Uhr, UKW 92,4 MHz).

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