Sicherheit : Gefährlich beliebt

Experten warnen vor Angriffswellen ähnlich wie bei PCs. Was tun, wenn das Smartphone geknackt, gestohlen oder verloren wurde? Tipps zur Selbsthilfe.

Dominik Drutschmann
Tückisches Lifestyle-Produkt. In Deutschland nutzen 26 Millionen Menschen Smartphones oder Tablets zum Surfen im Internet. Jeder Nutzer richtet sein Gerät für seine Zwecke ein. Damit gehen massenhaft persönliche Daten online. Foto: dapd
Tückisches Lifestyle-Produkt. In Deutschland nutzen 26 Millionen Menschen Smartphones oder Tablets zum Surfen im Internet. Jeder...Foto: dapd

Kein Klingeln, kein Brummen. Eine Mailbox springt an. Die eigene Stimme ertönt. Es ist nicht in der Hosentasche, nicht im Rucksack, nicht im Auto. Jetzt ist es weg, endgültig. Laut einer Umfrage von Bitkom, dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, haben 14 Millionen Menschen in Deutschland schon einmal ihr Handy verloren. Und damit jenes Gerät, das fast alles über uns weiß. „Bei Smartphones sind nicht nur private Daten gespeichert, sondern auch dienstliche“, sagt Lutz Neugebauer, Sicherheitsexperte von Bitkom, „Zugänge zu sozialen Netzwerken, E-Mail-Accounts, Online-Marktplätzen, SMS, Fotos.“ Das Handy ist zum Lebensabschnittsspeicher geworden. Die neue Technik macht es möglich.

Das „herkömmliche“ Mobiltelefon wird immer mehr zum Auslaufmodell. In Deutschland nutzen bereits 26 Millionen Menschen das Smartphone oder Tablet zum Surfen im Internet. Im laufenden Jahr wird ein Absatzrekord bei Smartphones prognostiziert. Der beliebteste Anbieter in Deutschland ist das Unternehmen Samsung, mit einem Marktanteil von 30 Prozent. Doch auch Apple – das andere Flaggschiff der Branche – hat mit dem neuen iPhone 5 wieder Rekorde gebrochen. Fünf Millionen verkaufte Exemplare weltweit. An nur einem Wochenende. Experten warnen vor Angriffswellen auf diese Smartphones ähnlich wie bei PCs.

Doch wie schützt man sich vor Angriffen, Verlust oder Diebstahl? Jährlich werden zigtausende Smartphones in Taxis, in der Bahn, in Hotels oder auch am Flughafen vergessen. Zwei Sicherheitsmechanismen sind in jedem Smartphone integriert: die Telefon- und SIM-Sperre. Bei der Telefonsperre muss der Nutzer einen von ihm festgelegten Code oder eine Geste eingeben. Immer dann, wenn er das Handy aus dem Stand-by-Modus in Gebrauch nimmt. Eine gewisse Sauberkeit erhöht die Sicherheit. Fingerabdrücke auf dem Display könnten verraten, um welche Kombination oder Geste es sich handelt. Die SIM-Sperre kann in den Einstellungen des Handys aktiviert werden. Sollte das Handy einmal aus sein, kann es erst wieder durch die SIM-Nummer aktiviert werden.

Eine weitere Möglichkeit bieten Anwendungen, sogenannte „Anti-Diebstahl-Apps“. Der Name führt in die Irre, der Diebstahl wird nicht verhindert. Doch diese Apps können dabei helfen, das Gerät ausfindig zu machen. Diese Ortungsfunktion bietet nahezu jeder Handyhersteller an. Bei Samsung heißt sie „Dive“, bei Apple ab Werk „Mein iPhone suchen“. Das GPS sollte daher auch immer angeschaltet sein. Ist es das nicht, müssen Daten aus dem W-Lan und dem Mobilfunknetz herangezogen werden. Das ist ungenau. Und selbst bei der Ortung via GPS ist eine Abweichung von bis zu 30 Metern möglich.

Smartphones lassen sich auch sperren. Aus der Ferne. Entweder per SMS oder über das Web-Portal. Apple bietet eines an, Samsung und Drittanbieter wie Lookout. Die Sperrung erfolgt innerhalb weniger Minuten. Doch dafür muss man die nötige Anwendung zuvor installiert haben. „Die Menschen begreifen allmählich“, sagt Derek Halliday, Manager für Sicherheitsprodukte bei Lookout, „dass ihre Handys nichts anderes sind als kleine Computer.“ Und genau wie bei Computern gibt es Sicherheitsrisiken. Firmen wie Lookout und Kaspersky haben Komplettangebote für den mobilen Sicherheitsbereich entwickelt. Neun Millionen Handys wären im letzten Jahr geortet worden, sagt Halliday.

Gibt es keine Hoffnung mehr, das Handy zu orten, bleibt noch das Löschen aus der Ferne. Bei Android – dem meistgenutzten Betriebssystem – gibt es dafür zwei Möglichkeiten. Man setzt das Smartphone aus der Ferne wieder zurück auf die Werkseinstellungen. Die Ortung funktioniert dann nicht mehr, das Handy ist verloren. Oder aber, und das ist Möglichkeit Nummer zwei, man löscht nur selbst hinzugefügte Inhalte. Das Problem bei der zweiten Option: Die Daten werden zwar gelöscht, nicht aber überschrieben. Mit speziellen Programmen lassen sie sich wieder auslesen. Der Gelegenheitsdieb kennt diese Programme vielleicht nicht, der Profi hingegen schon. Absolute Sicherheit garantiert keine der Schutzmechanismen, sie minimieren das Risiko aber deutlich.

Doch selbst in der Hosentasche sind die Daten auf dem Handy nicht per se sicher. Stichwort Virenschutz. 2012 haben Virenforscher bereits 12 000 Schadprogramme gezählt. Sicher ist da auch viel Panikmache dabei. Antivirenhersteller wollen schließlich Geld verdienen. Die Angst der Kunden um ihr Handy soll in den nächsten Jahren Umsätze von einer Milliarde Dollar bringen, schätzen die Marktforscher. Trotzdem, jeder zweite Handy-Besitzer nutzt keinen Virenschutz. Ein Fehler. „Das Smartphone entwickelt sich zum bevorzugten Ziel für Angriffe von außen“, sagt Neugebauer. Das Mobiltelefon sei – mehr noch als der Computer – ein dankbares Ziel: 24 Stunden online, immer in Betrieb. Dabei muss man zwischen zwei Gefahren-Typen unterscheiden: Spyware und Malware. Während Spyware in erster Linie Daten ausspioniert, birgt die Malware eine weitere Gefahr. Eine Gefahr, die teuer werden kann.

Die am meisten verbreitete Malware-Variante nennt sich „Toll Fraud“. „Malware-Entwickler können den Prozess zum Versenden von SMS zum Premiumtarif ausnutzen, um Geld zu stehlen“, warnt Lookout. Die Malware tarnt sich in beliebten Anwendungen wie etwa Whatsapp, einer Instant-Messaging-Anwendung, über die am Tag weltweit mehr als eine Milliarde Nachrichten verschickt werden. Installiert nun ein Nutzer die verseuchte App, wird seine Telefonrechnung mit zusätzlichen Kosten belastet. Schöne Überraschung. Die Hintermänner kassieren das Geld. In Osteuropa und China, den am meisten von „Toll Fraud“ betroffenen Gebieten, haben sie schon etwa zehn Millionen US-Dollar erbeutet.

Im Gegensatz dazu kann man in Deutschland noch vergleichsweise unbeschwert mit dem Handy surfen. Noch. Kriminelle würden immer der technischen Entwicklung folgen, sagt Neugebauer von Bitkom. Und die Entwicklung bei den Smartphones verläuft rasant. Auch hierzulande sollte die Erkenntnis reifen, dass dieses kleine Ding in der Hosentasche nichts weniger ist als ein Computer. Einer, der fast alles über uns weiß. Und dieses Wissen sollte man schützen. Lieber früher als später.

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