Medien : Sie glotzen nicht TV

93 Minuten täglich: Fernsehkonsum der Kinder ist seit 1992 nicht gewachsen

Joachim Huber

2004 war ein Rekordjahr für die Deutschen. Noch nie hatten sie so viel ferngesehen wie im vergangenen Jahr: 210 Minuten pro Tag. 1992 waren es noch 158 Minuten. Eine Altersgruppe fällt aus dieser Gesamtheit aller Zuschauer ab drei Jahren heraus – die Kinder zwischen drei und 13 Jahren. Ihr Fernsehkonsum ist seit 1992 erstaunlich stabil geblieben. Trotz einer Zunahme des Programmangebots bleibt ihr Fernsehkonsum mit durchschnittlich 93 Minuten pro Tag konstant geblieben, wie eine in der Zeitschrift „Media Perspektiven“ (4/2005) veröffentlichte Studie der ARD/ZDF-Medienkommission zeigt.

Die Anziehungskraft des Mediums Fernsehens hat ein bisschen nachgelassen: Wurden 1992 noch zwei Drittel der Kinder täglich vom Fernsehen erreicht, so ist dieser Wert 2004 auf 61 Prozent gesunken. Das heißt: Zwar sehen weniger Kinder täglich fern, aber diese nutzen das Medium länger. Das mag auch in der verstärkten Konkurrenz der elektronischen Medien in den Familien begründet sein: Bei 99 Prozent der Kinder steht zu Hause mindestens ein Fernsehgerät, 80 Prozent der Haushalte verfügen über Computer (60 Prozent mit Internet-Anschluss).

Die Art des Fernsehempfangs hat beträchtliche Auswirkungen auf die Sehdauer, fanden die Forscher heraus. Kinder aus Kabel- oder Satellitenhaushalten sehen an einem Durchschnittstag knapp 40 Minuten länger fern als solche aus Haushalten mit terrestrischem TV-Empfang. Allerdings nutzen nur noch drei Prozent der bundesdeutschen Haushalte Fernsehen über Antenne, 47 Prozent sind ans Kabel angeschlossen, bei 50 Prozent steht eine Satellitenschüssel auf dem Dach.

Rund 20 Prozent der Kinder haben laut Studie ein eigenes Fernsehgerät in ihrem Zimmer. Ihre TV-Nutzung liege mit 121 Minuten deutlich über dem Fernsehkonsum der Kinder ohne eigenes Gerät (85 Minuten). Nach wie vor gilt auch die Beobachtung, dass mit zunehmendem Alter die Zuwendung zum Fernsehen ansteigt.

Große Unterschiede zeigen sich zwischen den neuen und den alten Bundesländern. Kinder im Osten sahen 2004 mit 109 Minuten am Tag 19 Minuten länger fern als Kinder im Westen (das ist bei den Erwachsenen nicht anders).

Ein weiterer Unterschied, nämlich zwischen den Geschlechtern, besteht nur noch im Osten. Hier haben Jungen mit 113 Minuten eine um acht Minuten höhere TV-Nutzung als Mädchen mit 105 Minuten. Im Westen liegt der Unterschied nur bei einer Minute (Jungen 90/Mädchen 89). Die Werte für die Geschlechter haben sich in den vergangenen Jahren deutlich angeglichen.

Wenig erstaunlich ist das Ergebnis, dass Kinder am Wochenende, und insbesondere samstags, am längsten vor dem Bildschirm sitzen. Freitags und samstags verschiebt sich die Hauptfernsehzeit zeitlich in den Abend. An diesen Tagen liegt der Höhepunkt kindlicher Fernsehnutzung kurz vor 21 Uhr, an anderen Tagen der Woche kurz vor 20 Uhr.

Was sehen die Kinder? Jungen wie Mädchen aller Altersklassen, im Osten wie im Westen, bevorzugen den Privatsender Super RTL (24,2 Prozent Marktanteil). Auf Rang zwei folgt bei den Kindern im Westen der öffentlich-rechtliche Kinderkanal von ARD und ZDF, Kika (12,8 Prozent MA; gesamtdeutsch 12,2 Prozent MA), bei Kindern im Osten der (Erwachsenen)-Sender RTL (11,6 Prozent MA; gesamtdeutsch 10,2 Prozent MA).

Zu den „Top 200“ der von Kindern ausgewählten Sendungen gehören 93 des Kika (vor allem „Sandmännchen“ und „SimsalaGrimm“) und 83 von Super RTL („Disneys Große Pause“ und „Spongebob Schwammkopf). Insgesamt dominieren die fiktionalen Programme, und da wieder bevorzugt der Zeichentrick.

Die „Top 10“ des Jahres 2004 dominierten mit je vier Platzierungen die ZDF-Show „Wetten, dass...?“ und – im Europameisterschaftsjahr – König Fußball. Die beiden übrigen Plätze (Rang 8 und 9) gingen an einen „Domino Day“ und den Spielfilm „Dr. Doolittle 2“ auf RTL. Eine Kindersendung war nicht dabei.

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