Medien : Sieg ohne Alternative

„DSDS“-Finale: Mark Medlock gewinnt – aber RTL verliert bei der Quote

Yoko Rückerl

Nun siegte also doch der Kandidat mit der besseren Stimme: Mark Medlock gewann am Samstagabend das Finale von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) auf RTL. Um 23 Uhr 36 stand der neue „Superstar“ fest – und Dieter Bohlens Augen schimmerten feucht vor Rührung. 78,2 Prozent der Telefonanrufer hatten für seinen „Spezi“ Mark Medlock gestimmt – und ihn so zum haushohen Gewinner der vierten „DSDS“-Staffel gemacht. Der 28-jährige Medlock gewann gegen den zwölf Jahre jüngeren Martin Stosch. Medlock bekommt nun einen Plattenvertrag, vermutlich ganz viele Auftritte bei RTL und darf das singen, was Dieter Bohlen für ihn schreibt.

Als „größtes Duell des Jahres“ bezeichnete die aufgeregte Moderatorin Tooske Ragas das „DSDS“-Finale. Ihr Kollege Marco Schreyl sprach gar von der „wichtigsten Entscheidung des Jahres“, guckte dabei aber so schelmisch, als wüsste er genau, dass ihm das eh kein Mensch glaubt. Denn auch die Quote blieb enttäuschend. Mit insgesamt 5,4 Millionen Zuschauern oder einem Marktanteil bei den 14- bis 49-Jährigen von knapp 41 Prozent blieb RTL unter dem Ergebnis der letzten Staffel, als über 50 Prozent der Zielgruppe den Sender zum Finale einschalteten.

Die Zahlen passten zur Sendung, die seicht und vorhersehbar blieb. Als erstes Lied durften sich die Kandidaten einen „Herzenstitel“ aussuchen. Martin Stosch entschied sich für „Life is a Rollercoaster“ von Ronan Keating. Gewieft, denn schließlich war seine „DSDS“-Karriere ja auch eine Achterbahnfahrt. Der Titel passte, und kurzzeitig überlegte man tatsächlich, ob der Bub aus Bayern nicht vielleicht doch singen kann, irgendwie. Doch das lag nur daran, dass Mark Medlock noch nicht auf der Bühne stand. Er sang „What a Wonderful World“ von Louis Armstrong so, dass es Jurymitglied Anja Lukaseder danach „richtig gut“ ging. In der zweiten Runde wurden die Titel gesungen, mit denen die Kandidaten bei den Mottoshows am stärksten waren. Und hier war der Unterschied zwischen Medlock und Stosch am größten. Zwar warf sich der sonst so verhaltene Stosch zum Queen-Hit „Crazy Little Thing Called Love“ sogar kurz auf die Knie, sonst aber wippte höchstens mal sein Fuß, von Power keine Spur. Bohlens „Gefühlskönig“ Medlock sang „Easy“ von Lionel Richie, nicht so gut wie beim ersten Mal, aber dennoch souverän.

Zwischendurch wurde es heimelig; die Zuschauer lernten per Kurzfilmchen die Lieben der Kandidaten kennen. Stoschs Opa verriet, dass die Fische beim Angeln besser bissen, wenn der Enkel vorher für sie sang. Kurzzeitige Pulserhöhung erlebte man, als die kuriosesten Momente der Vorcastings gezeigt wurden. Zum Schluß sangen die Kandidaten noch ihre „Siegertitel“ – das Lied, mit dem sie ihren ersten Hit landen sollen. Kritik von der Jury gab es kaum. Die Nerven von Medlock & Co. lagen ohnehin blank. Medlock gewinnt, Bohlen lacht, und RTLs Promibeauftragte Frauke Ludowig wartet auf der „DSDS“-Aftershowparty schon auf den Sieger.

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