Medien : Simpsons und Loks

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„Marco, nach dem Sandmännchen geht’s aber ganz schnell ins Bett!“ Wie habe ich diesen Satz gehasst! Damals habe ich mir geschworen: Wenn ich mal älter bin, dann werde ich immer bis spät in die Nacht Fernsehen! Und was ist daraus geworden? In den letzten 25 Jahren habe ich genau eine halbe Stunde länger Aufbleiben und Fernsehen gewonnen! Mein Sandmännchen sind heute die „Simpsons“! Jeden Tag sitze ich Punkt 19 Uhr vor der Glotze, gucke auf Pro7 die xte Wiederholung irgendeiner Folge der gelben Zeichentrickfamilie aus Springfield und lach’ mich über Homer und Bart Simpson kaputt, obwohl ich die Witze eigentlich schon kenne (ich habe jede Folge mindestens dreimal gesehen).

Dementsprechend ist mein Fernseher auch eingerahmt: Auf dem Fernseher stehen PEZ-Bonbon-Spender in Simpsons-Form, daneben hängt ein Modellhaus mit allen Simpsons-Plastikfiguren, die es mal bei einer Fast-Food-Kette zum Menü dazugab (was für ein Spaß für einen Vegetarier wie mich)! Im Regal stehen dann auch noch jede Menge Simpsons-Kaufvideos und -DVDs. Und trotzdem:Wenn ich um 19 Uhr 30 ins Bett gehe – schließlich klingelt der Wecker um 3 Uhr 15 –, bin ich vom Simpsonsgucken so aufgewühlt, dass ich vor Aufregung kaum einschlafen kann …

Also, Marco, MEIN Wecker klingelt ja um drei Uhr 20. Das vorrangige Gefühl: Müde, sehr sehr müde. Erst mal Videotext an: War eigentlich Fußball? Gibt es schon Krieg im Irak? Dann läuft er: der Fernseher - nachts um halb vier, da tun sie keinem weh. Doch: mir.

Im Deutschen Sport-(!)Fernsehen gibt’s nackte Frauen. Nicht was sich sonst so rumräkelt - also Luder in Leder auf verchromten Monster-Motorrädern, sondern – soviel Sport-Fernsehen muss sein – nackt im Squashcourt, nackt auf der Hantelbank.

Was ich aber wirklich gucke, im Fernsehen, nachts um halb vier? Schienen.

Einen fahrenden Zug, nur eine Kameraeinstellung. Immer geradeaus. Ich als Lokführer, der übliche Kindheitstraum. Und ich rücke mit Kaffee und Toast in der Hand ganz nah ran. Fast lautlos gleiten wir durch die Landschaft, früher durch Berlin und Brandenburg, jetzt bin ich befördert worden, fahre weltweit: Cote d’Azur, Südafrika. Nichts aufregendes, immer nur Steppe, hier und da mal ein Hügel. Aber genau richtig, nachts um halb vier in Deutschland. Manchmal verpasse ich fast mein Auto.

Marco Seiffert (der mit den Simpsons) und Tom Böttcher (der mit dem Zug) sind die „Radiofritzen am Morgen“. Ihre Sendung bei Fritz läuft Montag bis Freitag zwischen sechs und zehn Uhr. Das heißt: früh schlafen gehen, und früh aufstehen. Der Fernseher ist immer dabei.

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