Medien : Sind Debatten notwendig?

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Taugt das Medium Zeitung zur Darstellung öffentlicher Debatten? Unter das breite Ja streuten sich auch Zweifel bei der Podiumsdiskussion, die das Italienzentrum der Freien Universität (FU) am Mittwochabend im Kronprinzenpalais veranstaltelte. Die „Presse als Piazza?“, als Platz der Kommunikation? Das war das Thema, dem sich die Chefredakteure und leitenden Redakteure von sieben europäischen Tageszeitungen stellten: Lluis Bassets von der spanischen „El Pais“, Carlo Bastasin („La Stampa“/Italien), Anne Chaussebourg („Le Monde“/Frankreich), Hans-Werner Kilz („Süddeutsche Zeitung“), Thomas Schmid („Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“) und Giovanni di Lorenzo vom Tagesspiegel.

Einigkeit herrschte darüber, dass das Bild der Piazza die Rolle der Zeitungen nicht hinreichend charakterisiert, ansonsten dominierten unterschiedliche Ansichten die Diskussion: Laut Schmid wurden in der Presse bereits interessante Diskussionen geführt. „Aber es werden auch Debatten losgetreten, die es gar nicht Wert sind." Di Lorenzo wandte ein, dass die Zeitungen inzwischen nur noch eine Teilöffentlichkeit ansprechen würden und selbst die nicht hinreichend mobilisieren könnten. Das werde besonders bei der Möllemann-Debatte deutlich. Bassets hingegen hält diskursive Elemente in einer Zeitung gar nicht für notwendig. „Sie sollte ein Ort der Information sein.“ Mit einer klaren Kritik am deutschen Journalismus wartete Kilz auf: „Kürzer, knapper, schreiender" seien die Artikel geworden und die Recherche zeige „deutliche Zeichen der Erschöpfung“.

So ergab die Diskussion ein facettiertes Bild über die Funktion der europäischen Presse. Nur eines gab es nicht: Die von dem fließend Deutsch sprechenden Bastasin angekündigte „schlimmste Verwendung der deutschen Sprache seit Trappatoni“. bud

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