Medien : Sing, Mandy, sing

Aus sechs Kandidatinnen wird das Trio „Monrose“. „Popstars“ geht ins Finale, aber geht es auch mit rechten Dingen zu?

Joachim Huber

Es droht ein doppelter Aufschrei der Empörung. Sollten Bahar, 18, Kati, 20, und Mandy, 16, das Finale der „Popstars“ morgen tatsächlich gewinnen, dann könnten die Fans Betrug wittern. Die drei jungen Frauen waren Ende der vergangenen Woche beim Internet-Verkaufsportal Amazon als die Siegerband „Monrose“ mit dem Single-Titel „Shame“ zur Vorbestellung avisiert worden. Das hatte einen strengen Geruch, weil sich für das Endspiel sechs Kandidatinnen qualifiziert haben: Neben den drei Genannten treten morgen Abend Ari, Romina und Senna an. Über das Gewinnertrio sollen die Jury und die Zuschauer zum Schluss der Sendung per Televoting (49 Cent pro Anruf/SMS) entscheiden.

Pro 7 suchte alle Zweifel am vorzeitigen Zustandekommen der „Monrose“-Besetzung zu zerstreuen: Das bei Amazon gezeigte Cover mit Bahar, Mandy und Kati sei nur eines unter vielen mit jeweils drei aller sechs Finalistinnen; wahr sei allein, dass das Siegertrio „Monrose“ und die erste Single „Shame“ heißen werden. Jede Finalistin habe eine echte Chance, die Besetzung von „Monrose“ stünde erst nach Sendeschluss am Donnerstag um 23 Uhr fest. Amazon hat sich für seinen „Irrtum“ eilfertigst entschuldigt.

Um wirklich alle Manipulationsgerüchte zu zerstreuen, darf das „Monrose“-Trio niemals aus Bahar, Mandy und Kati bestehen; allenfalls zwei der drei – und Mandy auf jeden Fall – werden in der Siegerformation auftauchen. Über zwei der drei Plätze wird die Jury bestimmen, über die Dritte im Bunde entscheiden die Anrufer und SMSler. Aus den Stimmen des siegreichen Trios wird dann „Shame“ zusammengemischt.

Bis Dienstag hatten knapp 700 000 bei Pro 7 abgestimmt. Der Sender verrät nur, dass Kati, Romina und Bahar auf den ersten drei Plätzen liegen. Bei „Popstars“ geht es nicht um Basisdemokratie, sondern um eine gewinnbringende Mischung aus Mitmachfernsehen, Einschaltquote, Call-in-Erlösen und Tonträgerverkauf. Das hat sich seit der ersten „Popstars“-Kür der „No Angels“ – 2000 bei RTL 2 – mit fünf Millionen verkauften CDs nicht geändert. Für den laufenden Wettbewerb hatten sich 5189 Kandidatinnen beworben. Eine hohe Zahl, die sich zu fortlaufend steigenden Einschaltquoten potenziert hat. Die Sendung am 16. November sahen 3,56 Millionen, in der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen lag der Marktanteil bei 34,8 Prozent.

Das Format hat sich etabliert, zunächst in der dreiköpfigen Jury, von der konstanten Größe Detlef D! Soost, einem „Quälix“, der den jungen Frauen eisenharte Sprüche an den Kopf wirft, die sie von Eltern oder Lehrern niemals widerspruchslos akzeptieren würden, über den farblosen „Pur“-Produzenten und Diplom-Jazz-Musiker Dieter Falk bis zu Nina Hagen. Diese wortgewaltige Breitmaulfröschin, die in den Medien mehr präsent ist als in ihrer multimedialen Karriere erfolgreich, ist grell, bunt, laut, die Hagen ist das, was aus Pippi Langstrumpf hätte werden können, wäre Pippi jemals erwachsen geworden.

Für Eltern und andere ältere Zuschauer sind die „Popstars“ eine echte Herausforderung: Bei den Kandidatinnen wird heftig gelitten und enorm viel geweint, die Fans bekommen Herzrasen, wenn Mandy eine Runde weiterkommt. Die „Popstars“ sind doof? Dann sind die Erwachsenenformate von „Musikantenstadl“ über „André Rieu in New York“ bis zu „Willkommen bei Carmen Nebel“ viel, viel döfer. „Popstars“ bieten sich zur Identifikation, zum Vergleich, als Leistungsschau und als Daumendrückerunterhaltung an. Gewinnt Mandy aus Bürstadt, gewinnt Mandy aus Chemnitz mit.

Natürlich, so wenig wie die „Germany’s Next Top-Model“-Kreateure haben die „Popstars“-Macher das Wahre, Schöne und Gute im Sinn. Das Castingformat ist über die Voting-Masche die perfekte Umfragemaschine. Was in aller Welt funktioniert im deutschen Musikbusiness? „Popstars“ gibt wesentliche Fingerzeige, selbst wenn „Monrose“ so nach wenigen Monaten vergessen und verweht sein sollte wie die bisherigen „Popstars“-Gewinner: „No Angels“ (aufgelöst), „Bro’Sis“ (aufgelöst), „Overground“, „Preluders“ (teilweise neue Besetzung), „Nu Pagadi“ (aufgelöst). Macht nichts, die „Popstars“ gehen weiter. Daniel Küblböck, der „DSDS“-Gewinner von RTL, glaubt auch unverdrossen an sein Giganten-Comeback.

„Popstars“, Pro 7, morgen, 20 Uhr 15

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