Skurriler "Tatort" aus Weimar : Der Mops tanzt Mambo

Zwischen Fliegerbombe, Armbrust und einer Biotoilette: Christian Ulmen und Nora Tschirner sollen im "Tatort" aus Weimar einen Mord aufklären, zu dem es noch gar keinen Toten gibt.

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Nach seiner Rizin-Vergiftung hat Polizist Lupo (im Bett Arndt Schwering-Sohnrey) nur noch 72 Stunden zu leben. Kommissar Lessing (Christian Ulmen) und Kollegin Dorn (Nora Tschirner) sollen Licht in den mysteriösen Fall bringen.
Nach seiner Rizin-Vergiftung hat Polizist Lupo (im Bett Arndt Schwering-Sohnrey) nur noch 72 Stunden zu leben. Kommissar Lessing...Foto: MDR/Anke Neugebauer

Die Verfechter der reinen Lehre vom knallharten TV-Krimi haben am Sonntagabend Sendepause. Wer mit den skurrilen „Tatort“-Ausgaben aus dem Saarland mit Devid Striesow als Roller-Kommissar Jens Stellbrink hadert und beim Gedanken an den versnobten Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne alias Jan Josef Liefers und seinen Gefährten Frank Thiel aka Axel Prahl das große Gruseln bekommt, sollte sich lieber noch schnell einen konventionellen Thrillerroman wie Sebastian Fitzeks „Das Paket“ besorgen. Denn im Fernsehen läuft diesmal ein „Tatort“ aus Weimar, bei dem der Titel „Der scheidende Schupo“ noch das harmloseste ist.

Schräger als Münster, abgedrehter als Saarbrücken, streckenweise ähnlich abenteuerlich wie Dortmund – wer sich einfach nur humorvoll unterhalten will und ansonsten keinerlei Wert auf Nebensächlichkeiten wie Realismus legt, kann sich getrost Nora Tschirner als Kira Dorn, Christian Ulmen als Kommissar Lessing und ihren gutmütigen Chef Kurt Stich alias Thorsten Merten anvertrauen. Oder wie Andreas Pflüger sagt, der zusammen mit Co-Autor Murmel Clausen nun auch das Drehbuch zum vierten „Tatort“ aus Weimar verfasst hat: „Der Zuschauer sollte eine Leidenschaft für Fliegerbomben, Armbrüste, Biotoiletten und Mausoleen haben. Dann könnte das Werk gefallen.“

Erst eine Bombe, dann ein heimtückisches Gift

Ausgangspunkt der Krimi-Komödie ist die heimliche Liebe von Polizist Ludwig Maria Pohl (Arndt Schwering-Sohnrey), kurz Lupo genannt, für Kriminalpolizistin Kira Dorn. Ihr will er nun seine ganze Zuneigung zukommen lassen, erklärt er seiner Dauerfreundin Andrea, mit der er seit den gemeinsamen Kindergartentagen verbunden ist. Der Hölle Zorn soll Shakespeare zufolge nichts sein im Vergleich zur Rache einer verschmähten Frau – die sich in diesem Fall flugs über Lupos innig geliebte Blumen hermacht und dabei eine Bombe im Beet zur Explosion bringt, die sie vor Lupos Augen in Tausend Stücke zerreißt. Doch zum scheidenden Schupo wird Lupo erst, nachdem sich herausstellt, dass die Bombe nicht der einzige Anschlag gegen ihn war. Zusätzlich wurde sein Kakao mit dem Gift Rizin präpariert, gegen das es kein Gegengift gibt und das unwiderruflich in drei Tagen zum Tod führt. „Wir haben noch 72 Stunden, um den Mörder zu finden“, fordert Kurt Stich seine Kommissare zum Handeln auf – ein Thema wie ein Hollywood-Thriller.

Regisseur Sebastian Marka hat bei der Umsetzung des eigenwilligen Stoffes nach eigenen Worten jedoch eher ein Märchen im Sinn gehabt. Neben den Opfern der Anschläge und den Polizisten gibt es darum zwei böse Schwestern, einen verschlagenen Schurken, eine alte Burg auf einem hohen Berg und eine alteingesessene Fabrik im Tal. Zu dieser Porzellanmanufaktur gehörte auch ein Betriebskindergarten. Und der wurde von von Olga Kruschwitz geleitet, auf die Dorn und Lessing immer wieder stoßen. Carmen-Maja Antoni spielt die alte Frau so herrlich schrullig, wie man es sonst von einer Katharina Thalbach gewohnt ist. Beinahe stiehlt die ehemalige Erzieherin, mit der offenbar alle Beteiligten auf die eine oder andere Art verbunden sind, den Kommissaren die Show.

Wo sind all die Tassen hin?

Der MDR hatte den „Tatort“ aus Weimar vor etwas mehr als drei Jahren als Eventkrimi zu besonderen Ereignissen wie Weihnachten, Neujahr oder Ostern gestartet. Nach „Die Fette Hoppe“, „Der Irre Iwan“ und „Der treue Roy“ ist „Der scheidende Schupo“ inzwischen ganz und gar im Regelbetrieb angekommen. Die flotten Sprüche sind geblieben. „Wo sind all die Tassen hin, wo sind sie geblieben?“, darf Lessing im Porzellanladen fabulieren. Besser ist nur noch „Ich glaub, mein Mops tanzt Mambo“ von Kurt Stich. Welche Substanzen den Autoren verabreicht wurden, verraten sie nicht. Die Quelle ihrer Inspiration sei Wasser aus der Ilm, sagen sie. Gemeint ist natürlich die Ilm als Zufluss zur Saale im Landkreis Weimarer Land.
„Tatort: Der scheidende Schupo“, ARD, Sonntag, 20 Uhr 15

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