Sky-Chef im Internview : "Zu ambitioniert"

Der scheidende deutsche Sky-Chef Mark Williams zu seinem Abgang, möglichen Fehlern und den Plänen für die Zukunft.

314235_0_6a61c2e3.jpg
Mark Williams.Foto: ddp

Mr. Williams, Mitte November haben Sie die Bilanz für das dritte Quartal 2009 vorgelegt. Hat ihr plötzlicher Weggang auch etwas mit diesen Zahlen zu tun?



Nein, absolut nicht. Ausschließlicher Grund für meine Entscheidung ist mein Wunsch, wieder dauerhaft mit meiner Familie zusammen zu sein. Das wollte ich schon länger regeln, hatte aber auch ganz klar signalisiert, dass ich so lange bei Sky bleiben würde, bis unser Aufsichtsrat einen Nachfolger gefunden hat und wir einen reibungslosen Übergabeprozess sicherstellen können. Ich bin vom Erfolg von Sky in Deutschland und Österreich fest überzeugt.

An Kundenzahlen lässt sich der Erfolg nicht messen. Die Abo-Situation in Ihrem Haus ist mit 2,4 von anvisierten 2,8 bis drei Millionen Kunden noch immer nicht zufriedenstellend.

Unsere Abo-Situation ist zufriedenstellend. Die Reaktionen aus dem Markt zeigen, dass Deutsche und Österreicher bereit sind, für besseres Fernsehen zu bezahlen, und dass unsere Preise angemessen sind. Wir werden weiter wachsen, sogar schneller, indem wir unsere starken Treiber einsetzen: Live-Sport, Spielfilme und unser HD-Angebot.

Wagen Sie einen persönlichen Rückblick: Was haben Sie in den vergangenen 14 Monaten richtig gemacht, was falsch?

Wenn ich mir den Start von Sky im Juli anschaue – die neuen Programmpakete, die Preisstruktur und unser Gesamtangebot an sich –, dann haben wir das absolut richtig gemacht.

Keine Fehler?


Ich glaube schon, dass unsere Planung etwas zu ambitioniert war. Die Überarbeitung unserer Prozesse inklusive einem komplett neuen IT-System innerhalb von nur sechs Monaten hat sich als sehr schwierig erwiesen und führte für unsere gesamte Organisation zu einer enormen Belastung. Die Mannschaft hat das mit Bravour bewältigt, so dass wir jetzt ein absolut wachstumsfähiges Unternehmen mit gesicherten Erfolgsaussichten sind.

Würden Sie sich die IPTV-Rechte an der Bundesliga noch einmal durch die Lappen gehen lassen?


Die IPTV-Rechte, die die Deutsche Telekom erworben hat, sind nur in deren geschlossenem Netzwerk relevant. Wir brauchen es nicht, da wir technisch alle Haushalte in Deutschland und Österreich erreichen – per Satellit, Kabel und Internet.

Im April wird Brian Sullivan Ihren Job übernehmen. Haben Sie einen Rat für Ihren Nachfolger?

Wir werden in den nächsten Monaten sehr eng zusammenarbeiten, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Für uns von Vorteil ist, dass wir beide von der News Corp kommen und ein gemeinsames Verständnis bezüglich der Zutaten für ein erfolgreiches Pay-TV besitzen.

Was machen Sie nach dem 1. April 2010?

Ich verlasse Sky Ende März 2010, um wieder dauerhaft mit meiner Familie zusammen zu sein, zunächst in London, dann in Australien. Ich habe bislang keine neue berufliche Rolle angenommen.

Die Fragen stellte Tim Klimeš.

Mark Williams wurde von News-Corp-Chef Rupert Murdoch aus Italien nach Deutschland geholt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben