Smartes Lautsprechersystem Echo : Amazon zieht freien Verkauf vor

Zunächst sollte das intelligente Lautsprechersystem Amazon Echo erst im Sommer in den deutschen Handel gelangen. Nun hat Amazon den freien Verkauf vorgezogen. Wie sich das System in unserem Alltagstest geschlagen hatte.

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„Alexa, die Nachrichten bitte.“ Der Amazon-Lautsprecher Echo reagiert auf menschliche Sprache.
„Alexa, die Nachrichten bitte.“ Der Amazon-Lautsprecher Echo reagiert auf menschliche Sprache.Foto: Reuters

„Was ist weiß, rund, und fliegt an die Wand? Ein Amazon Echo, das laufend schlechte Witze erzählt.“ Die Entwickler von Amazons smartem Lautsprechersystem Echo haben Sinn für Humor. Die Idee, der Künstlichen Intelligenz hinter den sprechenden Zylindern ein paar Witze beizubringen, ist nicht nur nett, sie schafft ebenso wie die nie aus der Ruhe zu bringende weibliche Stimme eine positive Atmosphäre. Fast könnte man vergessen, dass man nicht mit einem Menschen, sondern einer Maschine redet.

Echo lautet allerdings nur der Name des 180 Euro teuren Lautsprechersystems. Amazon hat am Montag in Deutschland mit dem feien Verkauf von Echo und den kleineren Echo Dot begonnen, bislang war der Assistent nur auf Einladung erhältlich. Zunächst hatte der freie Verkauf erst im Sommer starten sollen.

Der Geist in der Maschine reagiert hingegen auf Alexa. Vor jeder Frage und jedem Wunsch muss Alexa beim Namen genannt werden, um aus dem Bereitschaftsmodus in den Antwortmodus zu wechseln. Dabei ist es schon beinahe erschreckend, wie genau Alexa mit den sieben Mikrofonen des Lautsprechers selbst halb genuschelte Worte vom anderen Ende des Raumes versteht.

Zudem ist Alexa alles andere als auf den Mund gefallen. Als ich das System einmal ohne konkretes Anliegen aktivierte und statt einer Frage nur sagte: „Alles gut“, antwortete das KI-System trocken mit einem „so was von“. Die Entwickler haben alles getan, um den Umgang mit der Technik so angenehm wie möglich zu gestalten, selbst wenn Alexa alles andere als allwissend ist. „Entschuldigung, das weiß ich nicht. Aber lass uns Freunde bleiben“, heißt es spätestens nach der zweiten Frage, die Alexa nicht beantworten kann.

Alexa ist nicht nur in Echo-Lautsprechern aktiv

Amazon ist nicht das einzige Unternehmen, dass Interaktionssysteme anbietet, die mit menschlicher Sprache gesteuert werden. Doch im Gegensatz zu Google Home sind die Echo-Lautsprecher mit dem Alexa-Assistenzsystem inzwischen auch in Deutschland erhältlich. Vorreiter der Sprachsteuerung war allerdings Apple mit der iPhone-Assistentin Siri. Auf Android-Smartphones können vergleichbare Lösungen mit „Ok Google“ aufgerufen werden. Die Microsoft-Lösung hört auf den Namen Cortana. Alexa steckt nicht nur in Echo-Lautsprechern, auch Autos von Ford werden damit bald ausgerüstet. Und auch in Huawei- Smartphones bietet Alexa ihre Hilfe an.

Amazon ist mit Alexa zudem zuerst der Sprung in die Wohnzimmer der Kunden gelungen. Vor allem als überaus bequeme Fernsteuerung von Amazons Musik-Streamingdienst erstaunt Alexa immer wieder seine Nutzer. Ob Interpret, Song, Genre oder Sender: Es findet fast immer den richtigen Ton. Zur Konfliktlösung fehlen allerdings noch die richtigen Strategien. Was früher der Kampf um die TV-Fernbedienung war, kann in Familien mit Echo-Lautsprecher zur lautstarken Auseinandersetzung führen, wessen Musikwunsch Alexa nun ausführen soll. Manche Ausrufe können dann schon mal wie Befehle an einen schwerhörigen Hund erinnern. Wie gut, dass der Befehl „Alexa, stopp!“ immer funktioniert.

Alexa ist zugleich auch das Tor zur Einkaufswelt von Amazon. Per Spracheingabe können Einkaufslisten gepflegt oder gezielt Produkte geordert werden. Allerdings kennt Alexa seinen Nutzer offenbar weniger gut, als man es von Amazon erwarten könnte. Eine Order von Druckerpatronen hätte in unserem Test aus der Bestellhistorie heraus zu Canon führen müssen, doch vorgeschlagen wurden HP-Patronen. Immerhin verweist Alexa auf alternative Produkte, wenn der erste Vorschlag nicht passt.

Wie heikel die Einkaufsfunktion sein kann, hat sich kürzlich in den USA gezeigt. Weil im TV-Programm der Satz „Alexa hat mir ein Puppenhaus gekauft.“ fiel und das englische „ordered“ beinahe genauso klingt wie „order“, versuchten zig Echo-Lautsprechersysteme, für ihre Besitzer Puppenhäuser zu bestellen. Merke: Wenn schon der Spracheinkauf aktiviert bleiben soll, dann sollte man den vierstelligen Bestätigungscode anfordern, damit Nachrichtensprecher nicht eine Waschmaschine bestellen.

Apropos Waschmaschine: Alexa kann um zusätzliche Fähigkeiten erweitert werden. Ein Bereich mit großem Wachstumspotenzial ist die Smart-Home-Technik. Bereits jetzt lässt sich so per Alexa-Befehl die Beleuchtung von Philips-Hue-Lichtsystem regulieren, mit Tado die Raumtemperatur einstellen oder mit Home Connect auf die Waschmaschinen-Steuerung zugreifen. Zu den bekannten Datenschutzsorgen, weil Alexa im Hintergrund immer mithört, um auf den Aktivierungsbefehl zu warten, kommen somit noch andere Erwägungen hinzu. So bequem die Sprachsteuerung sein kann, wer möchte schon, dass ein TV-Dialog die Klimaanlage hochdreht oder ein Einbrecher die Alarmanlage deaktiviert.

Noch wird nur ein Bruchteil der Möglichkeiten genutzt

Bei aller Faszination des technisch Möglichen und den Ängsten vor den damit verbundenen Konsequenzen stehen Systeme wie Alexa oder Google Home noch ganz am Anfang. Bis die Assistenten den Menschen Arbeiten zuverlässig abnehmen, wird es offenbar noch etwas dauern. Bei der Aufforderung „Weck mich morgen um acht Uhr“, vergisst Alexa zwar nicht einmal nachzufragen, ob damit acht Uhr morgens oder abends gemeint ist. Doch Anfragen wie „Alexa, gib mir Bescheid, wenn die Telekom-Aktie endlich wieder über 20 Euro wert ist“, gehen derzeit ins Leere. Da ist Apples System mitunter sogar schon weiter.  Siri ruft Telefonnummern an und verschickt SMS oder E-Mails. Mit dem Amazon-Lautsprecher ist das nicht einmal möglich, wenn Alexa per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden ist.

Immerhin ist Alexa schlau genug, sich aus der Politik herauszuhalten. Die Frage, wer Angela Merkel ist, wird von Alexa ohne Zögern beantwortet: „Angela Dorothea Merkel ist eine deutsche Politikerin und seit dem 22. 11. 2005 Bundeskanzlerin der BRD“. Und auch bei Sigmar Gabriel werden die ersten Sätze aus der Wikipedia-Biografie ausgegeben. Beim neuen US-Präsidenten hat es einige Tage gedauert, bis Alexa den Wechsel im Weißen Haus umgesetzt hat. Fragt man nach Donald Trump, erhält man allerdings nur die Antwort, dass er ein amerikanischer Unternehmer und Politiker ist, von Präsidentschaft kein Wort. Und auf die Frage, was Alexa von Donald Trump hält, wird nur knapp erwidert, man habe sich noch nicht persönlich kennengelernt.

Ausgeschlossen ist ein solches Treffen sicherlich nicht. Wenn die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz in dem Tempo voranschreitet und mit der Robotik kombiniert wird, könnten Trump und Alexa tatsächlich irgendwann aufeinander treffen. Ob dem neuen US-Präsidenten die Fakten aus den Echo-Lautsprechern passen, ist dann aber eine andere Frage.

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