Medien : "So doof ist Schimanski-George auch nicht"

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Götz George, 63, spielte zehn Jahre lang einen der populärsten "Tatort"-Kommissare: Horst Schmimanski aus Duisburg. 1991 hörte George mit dem "Tatort" auf, drehte stattdessen Spielfilme wie Dietls "Schtonk" oder Karmakars "Totmacher". 1997 entwickelte die ARD extra für ihn die Krimireihe "Schimanski". Am Sonntagabend läuft die einzige Folge in diesem Jahr. Ihr Titel: "Kinder der Hölle".

Herr George, denken Sie noch manchmal daran zurück, wie mit dem "Tatort" "Duisburg-Ruhrort" vor 20 Jahren Ihre Karriere als Hauptkommissar Horst Schimanski begann?

Ja, natürlich. Das waren einschneidende Momente im Leben. Schimanski sagte mal: "Wenn ich nicht Bulle geworden wäre, wäre ich Verbrecher geworden." Mit diesem Satz lässt er sich am leichtesten charakterisieren. So einen wollte ich spielen. Und der WDR hatte ganz ähnliche Vorstellungen.

Trotzdem verabschiedeten Sie sich vor genau zehn Jahren vom WDR-"Tatort" mit "Der Fall Schimanski". Wo drückte der Schuh?

Die Drehbücher waren nicht mehr gut, und da habe ich beschlossen, den Kram hinzuschmeißen. Doch nach sechs Jahren wollte der WDR mich wieder fest binden mit einer Serienrolle - und fragte: "Könntest du damit leben, wenn wir Schimanski als eigenständige Figur wieder ins Programm nähmen?"

Sie sollen damals gesagt haben, dass Schimanski in den 90ern kälter werden muss.

Ich habe gesagt, wir müssen ihn ein wenig anders zeigen. Diese ganze Emotion, um die es in den 80ern ging, kam von den Autoren. Das waren allesamt 68er, die ihre Themen, ihre schwierigen Liebesbeziehungen einbrachten. Aber in den 90ern hatten wir einen Autorenstamm mit völlig anderer Lebenserfahrung: Junge Autoren, die Bücher über eine älter werdende Figur schrieben.

Sie selbst gelten unter Schauspielerkollegen als Perfektionist. Wie bringen Sie eigene Ideen in die Filmproduktionen ein?

Ich spiele den Autoren meine Ideen vor, zum Beispiel im Lokal. Dann übernehme ich die Rolle meiner Partner und noch fünf andere mit. Und die Leute denken: Der hat doch ein Rad ab. Aber es geht um die Sache.

Das klingt so, als gingen Ihnen die Rollen jedes Mal in Fleisch und Blut über.

Nicht ganz. Ich pirsche mich immer wieder von Neuem an die Figuren heran. Wenn ich beispielsweise den Schimanski spiele, dann bin ich immer noch aufgeregt - weil ja auch eine Erwartungshaltung dahinter steht.

Man munkelt, Sie würden sich vor Drehbeginn für eine Viertelstunde zurückziehen.

Na ja, ich schlafe manchmal am Set. Wenn da eine Couch steht oder ein Tisch, lege ich mich drauf und penne ein. Weil ich durch diesen Beruf ständig einen Schlafentzug habe. Ich kann mich entspannen, wenn Menschen um mich herum sind. Zuhause, wo Ruhe ist, schlafe ich natürlich schlecht.

Gibt es nach all den Jahren keine Ähnlichkeiten zwischen George und Schimanski?

Nicht, dass ich wüsste! Das Schimi-Image des Rabauken und Machos ist von der Presse auf meine Person übertragen worden. Von diesem Abschreibejournalismus habe ich genug und überlege mir jedes Interview sehr genau - man wird einfach scheuer in diesem Land.

War es denn Ihr Wunsch, den Assistenten Hänschen, gespielt von Ihrem langjährigen Freund Chiem van Houweninge, vom "Tatort" in die "Schimanski"-Reihe zu übernehmen?

Ja, wobei der WDR zuerst Schimanski als einzigen übernehmen wollte. Sie hatten auch die Idee mit dem jungen Assistenten Hunger für das jüngere Publikum. Hunger, also mein lieber Kollege Julian Weigend und ich sind nicht ganz zufrieden mit der Konstellation. Da muss noch etwas passieren.

Vermissen Sie Ihren früheren Partner Eberhard Feik alias Christian Thanner sehr?

Sicher tue ich das. Und wenn Eberhard noch leben würde, wäre alles wesentlich humoriger. Die Reibereien zwischen zwei alten Haudegen waren für die Dramaturgie unserer Drehbücher immer sehr wertvoll.

War die Zusammenarbeit zwischen den beiden alten "Tatort"-Hasen so viel anders?

Ja, weil Eberhard und ich auch privat sehr gut befreundet waren, ähnlich wie Chiem und ich heute. Daher konnten wir im Vorfeld schon vieles in den Büchern klären.

Jetzt muss Schimi ohne Thanner älter werden. Wie lässt man einen solchen Energiebolzen wie Schimanski in Würde altern?

Genauso wie George würdevoll altert, hoffe ich. Schimanski setzt sich nicht mehr physisch unter Druck. Er wird besonnener. Ich habe große Freude daran, einen älteren Helden zu spielen und reduziere langsam meinen körperlichen Einsatz.

Kokettieren Sie denn noch ein wenig mit dem Sex-Appeal der Figur Schimanski?

Das ist eine Frage, die für einen 63-Jährigen überflüssig geworden ist. Also denkt mal ein bisschen mit! So doof ist Schimanski-George auch wieder nicht.

Haben wir so auch niemals behauptet. Entgegen der Meinung vieler Frauen, für die Horst Schimanski sicherlich noch immer ein Sex-Symbol darstellt, hat Alice Schwarzer mal über Schimi gesagt, er sei "der Junge, mit dem man eher einen trinken geht, aber nicht unbedingt ins Bett". Einverstanden?

Alice hat mir damals geholfen. Sie hat als erste dieses Macho-Bild von Schimanski durchbrochen. Weil sie in ihm einen Mann sah, mit dem eine Frau einen trinken gehen kann, ohne dass er ihr gleich an die Wäsche geht. Und so hab ich selbst diese Figur auch immer kapiert.

Als netten, geschlechtslosen Kumpel?

Niemals als netten Kumpel. Schimanski würde nie sagen: Habt mich lieb! So machen es doch heute die meisten Leute im Fernsehen. Keine TV-Figur, keine Showgröße ist ein bisschen quer, sondern immer nur sympathisch. Es gibt keinen, der ein bisschen aneckt, grauenvoll. Man muss wirklich nicht immer geliebt werden.

Also doch eine Parallele zwischen Götz George und Schimanski?

Ja, weil man irgendwann die Spaßgesellschaft leid ist, in der sich jeder anbiedern muss.

Aber auch Schimanski bringt dem Publikum Spaß - schon wegen seines selbstironischen Auftretens als sentimentaler Prolet.

Sicher, auf seine Art tut er das. Humor ist ein wichtiges Spielmoment, sonst kommt man in dieses fürchterliche deutsche Selbstmitleid.

Haben Sie sich schon überlegt, wie lange Sie den Schimanski noch geben wollen?

Ebenso könnten Sie mich fragen, wie lange ich diesen Beruf noch ausüben möchte. Man spielt so lange, wie das Publikum und man selbst noch Freude daran hat - so einfach ist das!

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