Medien : „So ist’s im wahren Leben nie“

Josefine Preuß über ihre Chancen als „neue Felicitas Woll“ und Türken in Berlin

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In der ARD-Vorabendserie „Türkisch für Anfänger“ spielen Sie das Mädchen Lena, das plötzlich mit dem türkischen Freund der Mutter und dessen Kindern leben muss. Kennen Sie privat türkische Jugendliche?

Ja, ich hab viele türkische Freunde.

Ihre Serien-Geschwister erfüllen alle Ausländer-Klischees: Die Strengreligiöse, der Macho...

...der aber auch mal anders sein kann. Klar. Es ist eben Fernsehen. Wir arbeiten mit Klischees, machen alles ein bisschen überspitzt, aber den Kern der Übertreibung, den fanden meine türkischen Bekannten auch zutreffend.

Cem und Yagmur, ihre Seriengeschwister, verbringen die Schulpausen immer getrennt von deutschen Jugendlichen. Ist das auch Ihre Erfahrung, die Ihrer Freunde?

Eher nicht. Ich bin in Potsdam zur Schule gegangen. Mein Freundeskreis kam immer aus Berlin – hier ist gar nichts mehr separiert, alles Multikuli.

Nun ja. In Neukölln ist gerade eine Schulleitung mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit getreten: Lehrer haben Angst vor Überfällen, Waffen wurden gefunden. Überrascht Sie das?

Ja, das ist krass. Es ist ja nicht so, dass es das generell nicht gibt, nur weil ich es nicht in meinem persönlichen Umfeld sehe. Ich war auf einer konservativen Europaschule, wo die Einführung von Schuluniformen diskutiert wurde, da gab’s so etwas nicht. Nach „Knallhart“, dem Film, schon wieder so eine Geschichte über Neukölln – das finde ich schade. In Neukölln gibt’s so viel anderes.

Kurz vor Serienstart war der Karikaturenstreit das große Medienthema. Mussten Szenen neu geschnitten werden?

Geändert wurde nichts mehr. Die Serie war da schon fertig. Aber auch wenn der Konflikt während der Dreharbeiten ausgebrochen wäre, hätten wir bestimmt nichts anders gemacht. Denn uns liegt es überhaupt nicht dran, zu provozieren. Im Gegenteil. Alles was wir an Unterschieden auch zeigen – es gibt immer ein versöhnliches Aufeinander zu gehen.

Glauben Sie, dass die Serie ein Stück weit für das Miteinander der Kulturen in Deutschland sorgen kann?

So hoch greifen will ich jetzt nicht. Die Serie ist pure Unterhaltung und hat nichts mit großer Einwanderungspolitik zu tun.

Sie halten es für völlig fiktiv, dass die Integration einer Familie letztlich doch so gut gelingt?

Es ist Fernsehen – so funktioniert’s im wahren Leben nie. Die Familie ist nett, zusammengewürfelt – und gecastet. Das ist alles geschrieben, und zum Schluss werden alle glücklich. Ich glaube nicht, dass das in der Realität immer so zutrifft. Dennoch: Klar kann es so eine Patchworkfamilie geben.

Sind Ihnen Lenas Kommentare, wie „Schleiereule“ zur neuen Schwester, der Kopftuchträgerin, peinlich gewesen?

Zu krass. Manchmal habe ich mich schon mit dem Autor hingesetzt und gesagt: „Können wir das nicht ein bisschen abstumpfen?“ Peinlich war es mir aber nicht, weil erklärt wird, aus welcher Emotion heraus sie das sagt. Dafür hat Lena ja auch diese Voice-over- Texte...

...kommentiert also aus dem Off das Geschehen...

...so dass dem Zuschauer klar wird, warum sie etwas sagt.Der Anfang der Geschichte ist ja, dass Lena ihre Mutter und ihren Bruder für sich haben will. Deshalb reagiert sie so.

Die scharfen Wortwechsel, schnellen Gags – ist das noch Serie? Oder schon Sitcom?

Ich sage gerne „Dramady“, also Drama und Comedy. Natürlich ist es lustig, aber wir behandeln auch ernste Themen, etwa: Ramadan, und Yagmur sündigt.

Die Hauptfigur kommentiert, es gibt schnelle Kameraschnitte, der Ort Berlin – das erinnert an „Berlin, Berlin“. Glauben Sie, dass „Türkisch für Anfänger“ für Sie ebenso Sprungbrett sein könnte, wie es „Berlin, Berlin“ für Felicitas Woll war?

Ich denke an so was nicht. Es gab schon öfter mal diesen Vergleich. Dabei sind wir eigenständige Personen. Ich will auch nicht berühmt werden.

Wie schützt man sich denn vor dem Berühmtwerden?

Ich bin ein Coach-Potatoe, treibe mich überhaupt nicht auf Filmparties herum. Ich versuche das wirklich nur als Job zu sehen. Das ist zwar ein Teil meines Lebens, aber es ist nicht mein Leben.

Das Interview führte Jeannette Krauth

„Türkisch für Anfänger“, die vorerst letzte Folge läuft um 18 Uhr 50, ARD

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