Social Media : Facebook kann den Job kosten

Nutzen Mitarbeiter während der Arbeitszeit privat Facebook & Co, können sie ihren Job gefährden. Nicht nur bei McDonald's, sondern genauso bei deutschen Großunternehmen.

Julia Kimmerle
Chef liest mit. Nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch privat sollten Mitarbeiter vorsichtig sein, was sie über ihren Arbeitgeber in sozialen Netzwerken schreiben. Foto: dpa
Chef liest mit. Nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch privat sollten Mitarbeiter vorsichtig sein, was sie über ihren Arbeitgeber...Foto: picture-alliance/ dpa

Sie schrieb auf, was wohl tausende McDonald’s-Kunden schon gedacht haben: „Sch*** Nuggets!“ Allerdings kritisierte McDonald’s-Mitarbeiterin Anja V. das Produkt des Frittenkonzerns nicht in ihrem Tagebuch, sondern auf Facebook – kurz darauf verlor die junge Frau ihren Job.

Um andere Arbeitnehmer vor solchen Gefahren zu warnen, hat der Amerikaner Travis Megale bei dem sozialen Netzwerk eine eigene Gruppe gegründet: „Fired by Facebook“. Angestellte, die durch Äußerungen auf den Seiten des Netzwerks ihren Job verloren haben, berichten hier von der asozialen Seite der sozialen Netzwerke, fast alle dieser Gefeuerten kommen aus den USA. Bereits jedes zweite amerikanische Unternehmen verbietet seinen Angestellten, vom Arbeitsplatz aus Facebook aufzurufen oder auf anderen sozialen Netzwerken zu surfen. Das ergab 2009 eine Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half Technology aus Kalifornien. Die Firmen fürchten nicht nur, dass ihr Image durch die Aktivitäten ihrer Mitarbeiter in Mitleidenschaft gezogen wird, sie fürchten auch, dass Betriebsgeheimnisse per Twitter das Unternehmen verlassen könnten.

Doch wie sieht es in deutschen Unternehmen aus? Zwar gelten Facebook, Twitter oder Xing laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts bei mittlerweile drei Viertel aller deutscher Firmen als wichtiger Kanal für die Unternehmenskommunikation. Anders sieht es aus, wenn die Mitarbeiter während der Arbeitszeit privat sozialmedial unterwegs sind. Siemens zum Beispiel gestattet seinen Angestellten die Nutzung des Internets nur für geschäftliche Zwecke. Unproduktives Surfen im Social Web ist nicht gestattet. Die Seiten von Facebook & Co seien jedoch nicht konzernweit gesperrt, erklärt ein Sprecher des Unternehmens. Für einen solchen Schritt gebe es keinen Anlass: „Wir hatten bisher noch keine negativen Erfahrungen mit Social Media.“

Das sehen die meisten deutschen Unternehmen ähnlich, wie der englische Sicherheitsdienstleister Clearswift in einer Studie herausfand. Zwei Drittel versuchen zum Beispiel, gezielt über die neuen Medien die Zusammenarbeit ihrer Mitarbeiter zu fördern. Mehr als die Hälfte der befragten Manager glaubt zudem, dass ein kurzer Ausflug auf Facebook durchaus positiv sei: Mitarbeiter würden motivierter und produktiver sein, wenn sie soziale Internetseiten auch während der Arbeit besuchen dürften. Ein Drittel der Unternehmen fürchtet dagegen um die Produktivität, zwei Drittel haben Sicherheitsbedenken. Eine strenge Regelung verfolgt Autobauer Porsche. „Unsere Philosophie ist: Privates Surfen am Arbeitsplatz ist nicht gestattet. Deshalb haben wir solche Seiten gesperrt, die rein privaten Charakter haben“, sagt Unternehmenssprecher Dirk Erat. Bei Porsche fällt damit die Nutzung von Xing, Twitter, Ebay oder Google-Mail flach.

Auch VW, die Commerzbank oder HeidelbergCement sperren einige dieser Seiten für ihre Mitarbeiter. Doch während sie dies eher aus Gründen der Konzernsicherheit tun, soll bei Porsche eher dem medialen Müßiggang der Mitarbeiter vorgebeugt werden. Air Berlin hat bisher zwar keine Seiten geblockt, trotzdem dürfen die Mitarbeiter während ihrer Arbeitszeit nicht privat surfen – auch in der Pause nicht.

Per Betriebsvereinbarung regeln die meisten Firmen, ob und wie das Netz während der Arbeitszeit privat genutzt werden darf. Wer beispielsweise bei der Deutschen Bahn arbeitet, verpflichtet sich mit seiner Unterschrift dazu, das Internet während der Arbeitszeit privat nur in einem Umfang zu nutzen, der den Arbeitsprozess nicht behindert.

An solche Regelungen sollten sich Arbeitnehmer unbedingt halten, wenn sie ihren Job nicht durch Facebook riskieren möchten, sagt Verdi-Pressesprecher Jan Jurczyk: „Als Inhaber des Zugangs zum Internet entscheidet der Arbeitgeber grundsätzlich frei darüber, in welchem Umfang er seinen Beschäftigten die Nutzung anbieten will. Einen Rechtsanspruch auf Surfen in der Arbeitszeit gibt es nicht.“

Weniger strikt als die Commerzbank handhabt Konkurrentin Deutsche Bank das private Surfen auf Facebook & Co. „Wir vertrauen da auf das Urteilsvermögen unserer Mitarbeiter“, sagt Pressesprecher Christoph Blumenthal. Eine generelle Anweisung, das Internet weniger für private Zwecke zu nutzen, sei bisher nicht notwendig gewesen. Der Pharmakonzern Bayer sagt sogar, dass das Internet und soziale Netzwerke „unverzichtbarer Bestandteil des beruflichen und privaten Lebens“ vieler seiner Beschäftigten ist. Die „geringfügige“ Nutzung eines dienstlichen Internetzugangs für private Zwecke ist deshalb erlaubt – etwa Onlinebanking, Facebook oder auch Internetradio. Dass plötzlich Unternehmensgeheimnisse via Twitter an die Öffentlichkeit gelangen, hält Bayer für unwahrscheinlich. In einer Konzernregelung wurde unter anderem festgeschrieben, dass der Schutz von Know-how und wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens in jedem Fall gewährleistet sein müsse.

Bertelsmann baut ebenfalls auf Vertrauen anstatt Kontrolle. Hier werden die Mitarbeiter lediglich zu einem „bewussten“ Umgang mit Social Media angehalten, so dass die Arbeit nicht leidet. Ein generelles, konzernweites Verbot sozialer Netzwerke gibt es bei Europas größtem Medienkonzern nicht. „Ein solches Verbot ist auch nicht geplant – schon deshalb, weil es zu einem Medienhaus nicht recht passen würde“, sagt Unternehmenssprecherin Susanne Erdl. Außerdem könnten die Mitarbeiter mit privaten, mobilen Geräten wie dem iPhone eine solche Sperre im Zweifel relativ einfach umgehen.

Doch auch wer Facebook über Handy oder nur von zu Hause aus nutzt, sollte nicht vergessen, dass der Chef mitlesen könnte. Wer seinen Arbeitsfrust im Netz loswerden will, begibt sich schnell auf juristisch vermintes Gelände, warnt Verdi-Sprecher Jurczyk: „Wenn jemand beobachtet, dass man dort nicht nur mündlich, sondern weltweit den Ruf des Arbeitgebers schädigen will, kann das Problem durchaus eskalieren.“

Wie es der gekündigten McDonald’s- Angestellten Anja V. geht, ist auf Facebook nicht zu lesen. Ihre Seite ist hier inzwischen nicht mehr zu finden – weder für Chefs noch für andere Menschen.

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