Social Media : Wenn das Netzwerk zweimal klingelt

Facebooks neue Nachrichtenzentrale verschärft den Wettbewerb mit Google und Microsoft. Ein GMail-Killer ist der Dienst jedoch nicht.

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Ein Briefkasten für alles: Facebook-Chef Mark Zuckerberg präsentiert die neue „Social Inbox“. Foto: AFP
Ein Briefkasten für alles: Facebook-Chef Mark Zuckerberg präsentiert die neue „Social Inbox“. Foto: AFPFoto: AFP

Die Vorstellung ist verlockend: Kinder, Eltern, ganze Familien und Freundeskreise bleiben über das Internet und die sozialen Netzwerke jederzeit miteinander in Kontakt, egal ob sie nun am liebsten am Computer, per Handy, mit E-Mails, im Chat oder per SMS kommunizieren. Im weltweit größten Netzwerk Facebook mit seinen über 500 Millionen Nutzern übernimmt künftig die „Social Inbox“, die Firmenchef Mark Zuckerberg am Montagabend in San Francisco präsentierte, diese Funktion, die nicht nur den Wettbewerb zu Google und Microsoft verschärft, sondern auch für neuen Zündstoff in der Datenschutzdiskussion führen dürfte.

In der Nachrichtenzentrale laufen alle Kommunikationsformen zusammen. Jeder Nutzer erhält dazu eine Mailadresse, die sich aus dem Nutzernamen und der Endung @facebook.com zusammensetzt. Mails zwischen Facebook-Freunden werden hier genauso abgelegt wie E-Mail-Konversationen ins übrige Internet. Auch Chats mit einem anderen Facebook-Mitglied lassen sich an dieser Stelle dauerhaft speichern – vom ersten Kennenlernen bis zur Organisation der Kindertermine. Und wenn der Facebook-Kontakt auf seinem Handy die SMS-Funktion von Facebook freigeschaltet hat, wird er per Short Message über neue Facebook-Nachrichten an ihn informiert. Bislang konnten Facebook-Mitglieder nur innerhalb des Netzwerkes miteinander kommunizieren. Dennoch werden bereits jetzt täglich vier Milliarden Nachrichten innerhalb von Facebook versendet.

Der neue Nachrichtendienst steht anfangs nur in den USA zur Verfügung, er soll schrittweise auf das gesamte Netzwerk ausgedehnt werden. Der Vorteil für Facebook liegt auf der Hand. Mit dem Nachrichtensystem gibt es für die Mitglieder wieder einen Grund weniger, sich außerhalb des Netzwerkes zu bewegen. Neben der längeren Verweildauer profitiert Facebook zudem über die eingeblendete Werbung. Die auf die Nutzer zugeschnittenen Anzeigen werden direkt neben den Nachrichten platziert. Anders als bei Google Mail soll der Inhalt der Kommunikation nicht ausgewertet werden. Um unter anderem für die Werbekunden attraktiv zu sein, hatte Konkurrent Microsoft seinen Maildienst Hotmail gerade erst runderneuert.

Für den Berliner Medienforscher Klaus Goldhammer besteht kein Grund, sich angesichts der neuen Facebook-Funktionen um neue Monopole zu sorgen. „Vor Jahren haben wir uns vor dem Krake Microsoft gefürchtet, dann kam der Krake Google und nun Facebook. Ein Ende dieser vermeintlichen Monopole ist nicht in Sicht.“ Angesichts des so entstehenden Wettbewerbsdrucks stelle sich vielmehr die Frage, was zum Beispiel die deutschen sozialen Netzwerk an Innovationsgeschwindigkeit zu bieten hätten.

Mit einer Erwartung haben die Facebook-Auguren zudem falsch gelegen. Das neue Nachrichtensystem ist kein vollwertiger Ersatz für Google Mail, Hotmail oder die in Deutschland beliebten Freemailer GMX oder Web.de. Dafür fehlen dem Facebook-Dienst wichtige Funktionen. So wird auf eine Betreffzeile verzichtet, auch die Möglichkeit, Nachrichten als Kopie oder Blindkopie an weitere Kontakte zu schicken, wurde nicht Facebook-Mails können zudem nicht über ein E-Mail-Programm abgerufen werden, dies gehört nicht zum Grundgedanken der Facebook-Nachrichten – die Nutzer dauerhaft in Facebook zu halten.

Um die Datenschützer zu besänftigen, gelten für die neue Mailfunktion die Einstellungen für die Privatsphäre. Wer möchte, erhält damit nur von seinen Freunden Post oder von den Mail-Adressen außerhalb von Facebook, denen das Facebook-Mitglied zuvor selbst geschrieben hat. Dass allerdings ganze Chatverläufe dauerhaft gespeichert werden, könnte dennoch den Ärger der Datenschützer heraufbeschwören. Auch wenn Facebook beteuert, dass die Daten nicht mit Dritten geteilt werden. Kurt Sagatz

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