Medien : „Sofort durchgefallen“

„Popstars“-Juror Detlef D! Soost über Können, Daniel Küblböck und die „No Angels“

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Die Castings für „Popstars“ sind abgeschlossen. Wie unterscheiden sich die Kandidaten der dritten Staffel von denen der ersten beiden, zum Beispiel von den „No Angels“?

Da ist jetzt zunächst diese DanielKüblböck-Faszination. Es gab viele Bewerber, die wirklich nur durchschnittlich gut sind, aber denken: „Mensch, wenn andere Leute das schaffen, dann kann ich das auch!“ Die zweite Gruppe sind diejenigen, die immer nur mit ihren Freundinnen in Karaoke-Bars Whitney Houston oder Mariah Carey nachsingen; nicht, weil sie es gut können, sondern weil das ihre Lieblingskünstler sind. Und die dritte Gruppe sind die Ernsthaften, die schon lange an ihrer musikalischen Karriere arbeiten, gut vorbereitet sind und mit einem aufgeräumten Kontingent an Songs zum Casting kommen, wie damals die „No Angels“. Die suchen wir.

Sind die Kandidaten, die mit Erfahrung zum Casting kommen, in der Überzahl?

Leider nicht. Wir haben 11 000 Kandidaten in fünf Städten gesichtet. Es gab gerade mal 46, von denen wir der Meinung sind, dass sie so vorbereitet sind, dass wir sie noch mal einladen. Diese Zahl wird bei der Entscheidungs–Show am Düsseldorfer Flughafen halbiert. Die fliegen dann zu dem dreiwöchigen Workshop nach Orlando.

Kommen die Kandidaten eher vom Land oder aus der Stadt?

Das kann ich nicht beantworten. Ich sehe erst am nächsten Tag beim Recall, wer woher kommt. Da sind nur noch 20 übrig. Ich kann da schwer einen Schnitt ziehen.

Wie geht die dritte Popstars-Generation mit Absagen um?

Wir geben uns Mühe, die Leute über ihr Können zu unterrichten. Teilweise sagen wir: „Hey, dieses Musikgeschäft ist nicht Dein Business! Du wirst in diesem Musikgeschäft nie den Erfolg haben, den Du Dir wünschst.“ Die Jugendlichen akzeptieren das erstaunlicherweise viel mehr, als wenn man da rumeiert und sagt: „Du bist nicht dabei!“ Sie kriegen von einer kompetenten Jury eindeutige Urteile. Dann können sie sich in eine andere Richtung orientieren und müssen nicht fünf Jahre den Traum von den „No Angels“ leben, obwohl der nie wahr wird.

Ist man als Jury–Mitglied bereit, den Leuten, die auf den ersten Blick nicht überzeugen konnten, noch eine zweite Chance zu geben?

Ja, und ich stelle fest, dass sich in den fünf Städten, in denen wir gecastet haben, der emotionale Aspekt intensiviert hat. Als wir beim Casting in Berlin Leute ganz platt nach Hause schickten und sahen, dass da Träume zerplatzt waren oder aus Träumen Tränen wurden, da war es für uns schon auch schwer, die Tränen zurückzuhalten. Insofern wird man nicht abgebrühter, sondern erfahrener und professioneller.

Was waren die Dauerrenner unter den Casting-Liedern?

(Singt gequält) „There is a herooooo…“ oder (singt wieder) „Killing me softliiiiie…“! Jedes zweite Mädel hat „Hero“ gesungen! „Hero“ ist bestimmt kein Song, den jeder singen kann! Sie können sich vorstellen, was wir da für Ohrmassagen erhalten haben.

Was sind die typischen Tricks, mit denen die Kandidaten versuchen, einen guten Eindruck auf die Jury zu machen?

Die kommen mit Instrumenten, mit Gitarren und so. Einer kam mit einem Rekorder mit einem Mikro dran. Das können wir natürlich nicht erlauben. Und dann die sexy Kleidung bei den Mädels. Es gibt auch welche, die sagen „He, ich will singen, ich will rappen, und ich will tanzen!“ Obwohl sie eigentlich recht gut gesungen haben, wollen sie dann mit dem Rappen einen Joker ziehen, und genau das Gegenteil passiert.

Sie haben ihn ja vorhin selber schon angesprochen– hätte Daniel Küblböck bei Ihnen eine Chance gehabt?

Niemals! Sofort durchgefallen! Denken Sie nicht, dass ich Daniel als Menschen nicht mag. Ich bin nur der Meinung, dass junge Leute, die monate- oder jahrelang dem Ziel hinterhereifern und täglich dafür trainieren, eine Backpfeife ins Gesicht kriegen, wenn sie sehen, dass Daniel, der genau diesen zeitlichen Preis nicht bezahlt hat, auf Platz eins der Charts geht. Mit einer Stimme, die nicht ausgebildet ist, mit tänzerischen Fähigkeiten, die nicht da sind, sondern nur mit seinem Rumgehopse und Rumgesinge. Das ist für junge Leute einfach ein Rückschritt , die den Traum leben, ihre Ziele zu erreichen, indem sie hart arbeiten.

Das Gespräch führte Antonia Kränzlin

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