Soldaten und Indianer : Krieger in der Krise

In der WDR-Doku "Die Schatten der 7. Kavallerie" begleitet Emmy-Preisträger Tom Roberts einen ehemaligen US-Major auf seiner Suche nach Versöhnung - doch an das Ende der Kriege glaubt der Veteran nicht.

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An drei Kriegen hat Robert Gray teilgenommen, der bärtige Mann ist stolz darauf, ein „verdammt guter Krieger“ gewesen zu sein. Seine Kameraden konnten sich auf ihn verlassen, wie er sich auf sie.

Gray ist 1925 geboren, den Zweiten Weltkrieg mag er in der Reserve erlebt haben, darüber verliert Tom Roberts’ beeindruckende Dokumentation „Die Schatten der 7. Kavallerie“, die der WDR am Donnerstag zeigt, kein Wort. Aber bei der „Polizeiaktion“ in Korea von 1950 bis 1953 sah Gray Gräuel, die ihn bis heute in seinen Albträumen heimsuchen. Noch schlimmer war es in Vietnam und Laos, wo er selbst Angehörige der Hmong-Minderheit als Hilfstruppe aufbauen half, die man beim Abzug der Willkür der Sieger überließ. Auch darum verbrennt Gray heute Räucherpulver, besucht einen Psychiater, lässt bei Exil-Hmongs eine Geisterbeschwörung über sich ergehen und ist Gast bei Indianern, den Lakota.

Die bei den Lakota gedrehten Szenen beeindrucken am meisten, einige der Indianer waren in Vietnam dabei, um sich als Krieger zu beweisen. Aber wie kann man den Widerspruch wegstecken, für die Weißen zu kämpfen, die die Indianer bis heute demütigen, und dabei seinen Stolz bewahren – ohne sich immer wieder mit Branntwein zu betäuben?

Was anfangs wie ein Road Movie aussieht, erweist sich als eine breite, fast ethnografische Studie, die in die Geschichte zurückblickt und in der Gegenwart Wunden erkennt, die nie verheilen können.

Die tief zerfurchten Gesichter der Nachfahren Sitting Bulls prägen sich ein, auch die mit Sorge erfüllten Augen des Ex-Majors, der nicht weiß, ob er auf die 7. Kavallerie stolz sein soll oder nicht. „Kriege helfen niemandem“, resümiert Gray am Ende – dass sie aufhören, glaubt er trotzdem nicht.

„Die Schatten der 7. Kavallerie“, 23 Uhr 15, WDR

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