Medien : Solide Handwerker bei Sat-1-News

Bernd Gäbler

Die Fernsehnachricht der Woche lautet: Der Sender Sat 1 hat Nachrichten. Ganz normale, um 20 Uhr. Albern wäre es, daraus zu folgern, Sat 1 traue sich nun, die ARD-„Tagesschau“ anzugreifen. Nein, das ist nicht der Zweck. Auf dem jetzigen Sendeplatz stören die Nachrichten lediglich am wenigsten. Der Sendefluss am Vorabend wird nicht mehr jäh unterbrochen, und die jetzige Lösung dient dem Image, nach ARD, ZDF und RTL ein viertes Vollprogramm anzubieten.

Sat 1 will zunächst einmal mithalten. Die erste Woche zeugt zumindest vom ernsten Bemühen um solides Handwerk. Die Sendung ist eher bieder als experimentell. Noch kann man sich auch nicht sicher sein, nichts Wesentliches zu verpassen. So kommt am Mittwoch weder Tibet vor noch der Beschluss der Bundesregierung zu einem „sichtbaren Zeichen“ zur Erinnerung an Flucht und Vertreibung. Sport gibt es kurioserweise nur am Donnerstag; da allerdings auch die absurde Meldung, die Staatsanwaltschaft ermittle gegen Andrea Ypsilanti wegen Nötigung eines Verfassungsorgans. Aber sowohl der Israelbesuch der Kanzlerin wie die US-Finanzkrise wurden ordentlich „gecovert“.

Angenehm unaufgeregt gesprochen ist der Nachrichtenüberblick. Ein besonderer Drang zu Unfällen und Krawall ist bisher nicht zu registrieren. Ansonsten sehen wir dieselben „Experten“ wie anderswo auch und analoge O-Töne der Spitzenpolitiker. Dazu Korrespondenten, von deren Existenz wir bisher nichts ahnten. Sie werden konsequent geduzt („Danke, Hans-Peter“), was amerikanisch flott wirken soll.

„Anchorman“ Peter Limbourg spricht zwar, ohne zu stolpern, Charisma aber strahlt er nicht aus. Er sagt halt auf, was los ist – weit entfernt von Peter Kloeppel oder Claus Kleber. Regelmäßig schiefgehen die Übergänge zum Wetter oder zum folgenden Programm: „Sophie Schütt und ihr Traumprinz in Farbe – grauer ist leider das Wetter.“ Da klemmt der Kalauer. So sind die Nachrichten eher unbeholfen dargeboten als aufgeblasen. Es ist, als lappe ein Viertelstündchen N 24 ins Programm des Mutterhauses. Bernd Gäbler

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