Sommerdschungelcamp 6 bei RTL : Bildung kommt von Bildschirm

Die Zuschauer haben sich beim RTL-Dschungel nicht weiterentwickelt. Also bekommen sie dasselbe Gewürge und dieselben Teilnehmer.

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Nix gegen Micaela Schäfer (links) und Ailton - aber ins Finale um die "Dschungelcamp"-Teilnahme konnte es nur Brigitte Nielsen schaffen.
Nix gegen Micaela Schäfer (links) und Ailton - aber ins Finale um die "Dschungelcamp"-Teilnahme konnte es nur Brigitte Nielsen...Foto: RTL

Wenn der folgende Satz stimmt, dann stimmt auch der Rest dieser Kritik zum "Ibes"-Abend Nummer sechs: Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung.

Ich hatte ja Riesenglück im Unglück. Eigentlich. Die Kandidaten am Mittwoch hießen Brigitte Nielsen, Ailton und Micaela Schäfer. Die Nielsen hat ein messerscharfes Mundwerk. Die Ex-Königin mit der Kampffrisur einer Amazone weiß, was eine Show ist, und wie man eine Show rockt. Die Dänin ist Profi und sich nicht zu schade, eine dürftige Sendung mit allem Einsatz zu pimpen. Ailton ist halt Ailton. Der brasilianische Ex-Fußballer ist wohl nicht die hellste Leuchte am Christbaum, doch hat er nicht ein riesengroßes Herz?  Und in Brasilien züchtet „Toni“ Pferde. Micaela Schäfer hat sich einem größeren Publikum mit der Masche bekannt gemacht, dass sie sich schneller aus- als anzieht. Sie ist, wenn das ein Beruf ist, Nacktmodel. Deswegen auch Micaela und nicht Michaela. Sie macht sprachlos.

Die fast zwei Stunden waren leidlich unterhaltsam. Ein Dschungelcamp ohne Dschungel und in Köln-Hürth ist halt wie ein Butterbrot, bei dem die Butter heruntergekratzt wurde. Die Prüfungen waren mit allen TV-Finessen zu extremen Herausforderungen hochinszeniert, aber Kitzel und Thrill waren nur Behauptungen ohne Beweis. Die drei Kandidaten beschworen Gefahren, die keine waren. Gut, muss sich keiner gefährden für Zuschauers Unterhaltung, doch Kasperletheater ist Kasperletheater. Schade nur, dass "Ich bin ein Star - Lasst mich wieder rein" länger dauert.

Daniel Hartwich und Sonja Zietlow waren auch da, sie schwänzten allerdings ihren Beruf als Moderatoren. Im Fernsehen, vor allem im Live-Fernsehen zeigt sich unbarmherzig, was einer draufhat. Hartwich muss was können, was ich nicht erkennen kann, Zietlow kann wohl was, verbirgt das jedoch gekonnt. Überhaupt, die Frauen. Die machen was, die trauen sich was, während Ailton nur von seiner "Angst" stammelt und sich sonst wegduckt. Gewinnt eigentlich der/die, der/die am öftesten "Scheiße" brüllt? "Ibes" ist Fernsehen, das unverschämt genug ist, mal eben so jede Niveaugrenze einzureißen. Einfacher gesagt: Es macht keinen Spaß.

Und wieder gewinnt Brigitte Nielsen 

Nun könnte ich mich darauf hinausreden, dass mich mein Beruf als Fernsehkritiker vor den RTL-Schirm gezwungen hat. Das ist definitiv falsch. Ich wollte wissen, wie RTL das „Sommerdschungelcamp“ hinbekommt. Wie ein Fernsehen funktionieren kann, das nur von der Variante lebt und nicht vom Original. Jetzt weiß ich das und das und das:  

Dass sich mit Birgit Nielsen nach Costa Cordalis und Ingrid van Bergen eine weitere Dschungelkönigin – und zwar die von 2012 -  fürs Finale qualifiziert hat, zeigt , wie sehr Birgit Nielsen zur Dschungelkämpferin taugt. Die Camp-Fans wissen, was sie an der Dänin haben;

das RTL-Publikum 2015 hat sich – siehe nur die erneute Brigitte-Nielsen-Kür - im Vergleich zum RTL-Publikum 2012 überhaupt nicht weiterentwickelt. Es will immer dasselbe Getue und Gewürge und immer dieselben Teilnehmer;

also handelt RTL vollkommen richtig, wenn es jedes Jahr ein „Dschungelcamp“ auflegt und jetzt auch mit der Sommervariante versucht. In dieser Zitrone ist noch viel Saft.

Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hieße es ja Buchung. Der Satz stammt nicht von Joachim Huber, sondern von Dieter Hildebrandt. Und der große Kabarettist wusste, was er sagte. Sonst wäre er nicht Kabarettist geworden, sondern Insasse im "Dschungelcamp". Oder Fernsehkritiker...

 

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