Sommerdschungelcamp 7 bei RTL : Wie ein Sender seine Show entwertet

Die siebte Ausgabe des Sommerdschungels hat die anderen nochmals unterboten. RTL tut sich mit diesem billigen Abklatsch keinen Gefallen.

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Joey Heindle, Fiona Erdmann und Georgina Bülowius. Foto: RTL/Andreas Mann
Joey Heindle, Fiona Erdmann und Georgina Bülowius.Foto: RTL/Andreas Mann

Hat irgendwer noch Erinnerungen an die siebte Staffel von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“? Nein? Wundert mich nicht. Nie zuvor und auch nicht mehr danach waren die „Prominenten“ im Dschungelcamp derart unprominent. Der einzige echte Star Helmut Berger verschwand schon kurz nach seinem Einzug wieder. Und den Sieger Joey Heindle kannten vorher nur weibliche Teenager, die noch nicht in die Disco dürfen und samstagabends „DSDS“ schauen. Am interessantesten waren noch die Andeutungen von Olivia Jones über ein angebliches Tête-à-tête mit dem damals noch amtierenden Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit. Das war’s dann auch schon.

Verstehe also wer wolle, warum es nun nochmal einen Aufguss dieses Stumpfsinns geben muss. RTL will es so. Der Sender quält uns zehn Abende am Stück mit dem billigen Abklatsch „Ich bin ein Star – lasst mich wieder rein“. Und bestraft sich damit in erster Linie selbst (der Zuschauer kann ja abschalten). Denn erst jetzt zeigt sich, dass die Moderatoren, die im Original so genial gemein daherkommen, heillos überfordert sind, sobald sie mal länger als drei Minuten am Stück reden und nicht nur einen vorbereiteten und auswendig gelernten Gag vortragen, sondern spontan agieren müssen. Erst jetzt wird klar, dass es nur mit Folter und Ekel allein eben nicht funktioniert. Es braucht die sozialen Kontakte, die Reibungen, die Flirts. Erst jetzt sieht man, wie öde so eine Show ohne die widrigen Umstände wie Hitze, Schlangen und Plumpsklo ist.

It-Girl, Model, Ex-Sänger

So entwertet sich RTL selbst. In nur zehn Sommersendungen macht es sein Wintercamp kaputt, seine letzte verbliebene Kultsendung. Hätten sie den Dschungel doch bloß dagelassen, wo er ist. In Australien. Köln kann da nicht mithalten. Folge sieben, die auf die siebte Dschungel-Staffel Bezug nimmt, hat die anderen dabei nochmals unterboten. Doch das ist angesichts der Teilnehmer irgendwie schon wieder konsequent. It-Girl Georgina Bülowius, Model Fiona Erdmann und Joey Heindle, der es mal mit dem Singen versucht hat, waren vorher lange nicht mehr im Fernsehen zu sehen. Und nach dem Donnerstagabend weiß man auch warum.

Der Unterhaltungswert der drei ist, sagen wir, überschaubar. Joey tut sich schwer, drei Sätze geradeaus zu sprechen, Georgina ist permanent damit beschäftigt, ihr Aussehen zu prüfen und Fiona kann kaum aufhören zu quatschen. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wollen sie jetzt wieder rein in den echten Dschungel. Dafür müssen Georgina, Fiona und Joey unter anderem eine Mission erfüllen, die den Zuschauern häppchenweise präsentiert wird. Treppenlaufen, ein bisschen rechnen und beweisen, dass sie in einem stehengebliebenen Fahrstuhl nicht abklappen. Danach noch eine Nacht in einem Kaufhaus schlafen. Schnarch. Das ganze zieht sich fast zwei Stunden lang hin. Ein Kaffee hilft beim Wachbleiben, denn man hat wirklich schon Aufregenderes erlebt.

Am Ende lassen die Zuschauer den am wenigsten langweiligen Joey ins Finale der Show, das am Sonntag steigt. Und das ist doch wirklich mal eine gute Erkenntnis: In nur drei Ausgaben ist er vorbei, der Sommerdschungel.

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