Sonderhefte zur Fußball-WM 2014 : Tippspiele, Tabak und tote Seelen

"SportBild", "Kicker", "11 Freunde" - die WM-Ausgaben der Fußball-Magazine übertrumpfen sich mit Spielplänen, Kader-Aufstellungen und Fifa-Rankings.

Markus Ehrenberg
Repro: Tsp
Repro: Tsp

Geht es Ihnen auch so: Sie glauben alles zur Fußball-Weltmeisterschaft zu wissen, kennen die Position jedes einzelnen Spielers, das Fifa-Ranking jeder teilnehmenden Nation, haben den Spielplan bereits auswendig gelernt? Keine leichte Aufgabe für die diversen WM-Sonderhefte. Wer derzeit einen gut sortierten Kiosk besucht, wird förmlich erschlagen von Print-Magazinen zur WM in Brasilien: Massenhaft Sonderhefte kämpfen um die Aufmerksamkeit und den Geldbeutel der Leser. Das geht schon los mit dem Cover. „SportBild“ versucht’s mit einem Bilder-Potpourri der möglichen Stars dieser WM: Lahm, Messi, Ronaldo. „11 Freunde“ und das „Kicker“-Sonderheft liegen mit einem Foto des Fifa World Cups näher beieinander, allerdings nur in optischer Hinsicht.

11 Freunde sind immer für eine Überraschung gut

„11 Freunde“ hat immer schon einen anderen Blick auf den Fußball gerichtet und ist auch diesmal wieder für Überraschungen gut. Wo Tippspiel, Spielplan und Termine andernorts zum Pflichtprogramm gehören, kramt das in Berlin erscheinende Magazin (das während der WM mit dem Tagesspiegel redaktionell eng zusammen arbeitet) eine Auswahl der bizarrsten Platten zur WM oder mit Tabakfreund Klaus Augenthaler einen etwas in Vergessenheit geratenen Weltmeister von 1990 aus der Kiste. Eher ungewohnte Einsichten auch von TV-Experte Oliver Kahn, der in der Fotostrecke zum Interview neue Lockerheit preisgibt (von der man bei den Spielen im Fernsehen an der Seite von Oliver Welke öfter gerne mehr sehen und hören würde). Wer wissen möchte, ob laut Kahn Fußballer oder Journalisten besser feiern können, muss dann schon mal 5,50 Euro ausgeben.

Das Konkurrenzprodukt aus dem Hause Springer (Preis: 4,90 Euro) hat den Aktualitätsdruck zu spüren bekommen. Der Redaktionsschluss des „Sport-Bild“-Sonderheftes war am 11. Mai, also nach der Verkündung der 30er-Kader. Daher sind unter den deutschen Spielern, die im Sonderheft ausführlich vorgestellt werden, keine Spieler wie Adler und Gomez vertreten. Es fehlt Christoph Kramer, der ja erst später nominiert wurde. Dafür ist der verletzte Marco Reus dabei, der in der „Sport-Bild“ noch vom WM-Sieg träumen darf.

In dieser Hinsicht hat es dem guten, alten „Kicker“ (Preis: fünf Euro) auch nicht geholfen, dass das Magazin erst am 28. Mai auf den Markt geschickt wurde. Marco Reus hat sich im Testspiel danach verletzt. Immerhin: Nur der „kicker“ hat ein ausführliches Interview mit Jogi Löw im Heft, auch wenn da nicht viel Neues drinsteht. Nostalgiker werden sich über den Mannschafts-Teil freuen. Alle 32 Teams werden nach demselben Schema präsentiert: Links ein Teamfoto aus einem der jüngsten Länderspiele, rechts die Liste des Kaders, dazu alles Wissenswerte zu bisherigen Erfolgen, der Qualifikation etc. Sehr lobenswert: „Kicker“ und „11 Freunde“ („Wie die Fifa und die Weltmeisterschaft die Seele des Maracana töten“) gehen in Reportagen auf die Anti-WM-Stimmungen und Proteste in Brasilien ein. Davon weiß auch nicht jeder Fußballfan. meh

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben