Medien : Sonne für RBB

WDR-Journalist erklärt seine Kandidatur um die Intendanz

Joachim Huber

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und Werner Sonne will nicht zu spät kommen, wenn für den künftigen Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) ein Intendant bestimmt wird. Der WDR-Journalist muss sich beeilen. Auf den politischen Nebelfeldern wird ein, freilich nicht sein Name vernehmlich geraunt: Ulrich Deppendorf ist der Favorit für den Intendantenstuhl. Über den WDR-Fernsehdirektor sollen die „Königsmacher“, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, und Brandenburgs Ministerpräsident, Matthias Platzeck (beide SPD), bereits Einigung erzielt haben. Anders als Deppendorf und die zuletzt genannten Kandidaten Dagmar Reim (Chefin des NDR- Landesfunkhauses Hamburg) und ORB-Intendant Hansjürgen Rosenbauer wählt Werner Sonne jetzt den öffentlichen Weg.

Der Fernseh-Korrespondent im ARD- Hauptstadtstudio erklärte am Montag: „Ich bewerbe mich als partei-unabhängiger Kandidat.“ So ein Wahlaufruf ist sympathisch: Da will einer was werden, da traut sich einer was. Sonnes Aktion hat eine Schattenseite. Unter den 30 Menschen, die sich noch im Dezember dieses Jahres zum RBB-Rundfunkrat zusammenfinden und im Februar den Chef des aus ORB und SFB fusionierten ARD-Senders wählen wollen, finden sich kaum welche, die beim Namen Sonne strahlen. Den früheren stellvertretenden Chefredakteur der WDR-Landesprogramme ficht das nicht an. Er berichtet von Zustimmung bei Politikern, Verbänden, Kirchen und Gewerkschaften für seine Kandidatur: „Ich rechne mir ganz gute Chancen aus.“

Was der vermeintlich partei-unabhängige 55-Jährige nicht sagt, das sagen andere: Sonne glaubt den besten Förderer, den einer in Deutschland nur haben kann, hinter sich – Bundeskanzler Gerhard Schröder. Korrespondent Sonne hält sich mehr im Kanzleramt als im ARD-Hauptstadtstudio auf, er war es, der vor der Bundestagswahl den SPD-Kanzler im ARD-Porträt (weich-)zeichnen durfte.

Vielleicht fordert Sonnes Schritt das übrige Bewerberfeld zu vergleichbarer Öffentlichkeit heraus. Schließlich wird die RBB- Spitzenposition offiziell ausgeschrieben. Ein öffentlicher Wahlkampf der Besten, das wäre eine größere Tat, als wenn der Gewählte plötzlich aus irgendeiner Parteikulisse herausspringt.

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