Sonntagskrimi : Abschied mit Schrecken

Letzter Einsatz für Kappl und Deininger: Der Saar-„Tatort“ und die verschleppten Mädchen.

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Letzter Einsatz für Kappl und Deininger (Maximilian Brückner in der Mitte und Gregor Weber rechts).
Foto: SWR

Eine schlechtere Werbung für seinen letzten„Tatort“-Auftritt kann man sich kaum vorstellen. „Gucken Sie sich die Folge ,Verschleppt‘ am Sonntag bloß nicht an. Sie ist schlecht“, hatte Gregor Weber, der Darsteller von „Tatort“-Kommissar Stefan Deininger, dem Kölner „Express“ in dieser Woche gesagt. Der Saarländische Rundfunk hatte das Team von Weber und seinem Kollegen Maximilian Brückner als Kommissar Franz Kappl nach nur sieben Folgen abgesetzt, weil ihre Geschichte „auserzählt“ sei. Man kann Webers Ärger verstehen, zumal Kritiker und Quoten eine andere Sprache gesprochen hatten. Diesen „Tatort“ sollte man sich allerdings dennoch nicht entgehen lassen.

In der Tat kann man dem Drehbuch von Dörte Frank und Khyana el Bitar an einigen Stellen Ungereimtheiten vorwerfen, doch die gehen nicht über das genretypische Maß hinaus. Und selbst dann sticht dieser Krimi des erfahrenen „Tatort“-Regisseurs Hannu Salonen gerade wegen seiner seiner verstörenden Machart aus dem gewohnten Sonntagabend-Schema immer noch positiv heraus.

Mit den geschickt eingesetzten musikalischen Dissonanzen und beängstigenden Einstellungen erinnert die Folge „Verschleppt“ streckenweise an einschlägige Horror-Thriller. Und um nichts anderes als einen Albtraum handelt es sich bei dem Thema dieses „Tatort“. Eine junge Frau flieht panisch über eine dicht befahrene Autobahn. Ihr Gesicht ist kreidebleich, nur ein unförmiger Kittel bekleidet sie. Wenig später wird sie erschlagen aufgefunden. Kappl und Deininger finden bald heraus, dass die Frau als junges Mädchen entführt und über Jahre gefangen gehalten wurde. Kurze Zeit später wird ein zweites Mädchen gefunden, lebend diesmal. Und offenbar gibt es ein drittes Entführungsopfer, die Zeit rennt.

Die Ermittlungen bringen die Kommissare emotional an ihre Grenzen. Nicht nur ihnen fällt es schwer, sich die Motive des Täters vorzustellen. Noch unfassbarer aber bleiben die Leiden der Opfer. Wie weit darf ein Polizist in einer solchen Situation gehen, ist Gewalt gegen einen pädophilen Verdächtigen zulässig? Fragen, die nicht nur diesen Fernsehfilm bewegen.

Über die Gründe, warum Weber und Brückner abtreten mussten, gibt es mehrere Thesen. Besonders zwischen Weber und dem SR-Redakteur habe die Chemie nicht gestimmt, heißt es. Dem Saar-Sender soll es hingegen nicht gefallen haben, dass der Saarländer Deininger vom Bayer Kappl dominiert wurde. Daran dürfte aber auch die Neubesetzung nichts ändern. Die wenig bekannte Saarländerin Elisabeth Brück trifft dann auf Devid Striesow. Kurt Sagatz

„Tatort: Verschleppt“, ARD, 20 Uhr 15

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