Medien : Sparen ist teuer

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Herrliche Zeiten für Briefträger und Zeitungsboten: Zeitschriften und Tageszeitungen sind bis zu 25 Prozent leichter als vor zwei Jahren. Auch der Tagesspiegel ist schlanker geworden. Nicht gar so mager wie viele seiner Konkurrenzblätter, aber doch. Der Grund ist ein völlig widersinniger: Sobald ein Unternehmen weniger verdient, wird an der Werbung gespart.

Zum Beispiel Autovermieter: Wann haben Sie zuletzt eine der wunderbar frechen Sixt-Anzeigen gesehen? Oder der Handel: Wo sind die Textil- und Möbelprospekte geblieben, über die Sie sich immer so schön ärgern konnten? Selbst die TV-Werbeblöcke werden schlanker, bisher allerdings nur außerhalb der Prime Time. Aus ökonomischer Sicht ist diese Methode, Kosten zu sparen, total fußkrank.

Der Verbraucher vergisst nichts lieber als Werbung. Soll er gedanklich zurückgeführt werden auf das Shampoo oder das Schuhhaus, kostet das nach einem Werbeloch ein Vielfaches dessen, was für eine kontinuierliche Werbung ausgegeben werden muss.

Es geht aber noch teurer. Nämlich dann, wenn am Service gespart wird. Die Lufthansa zum Beispiel drückt ihre Kosten nach dem Krankenhaus-Prinzip, das da lautet: Bei einem Tagessatz von 250 Euro pro Bett sind 6 Euro 50 für die Verpflegung mehr als genug. Dementsprechend serviert die Kranich-Linie auf den Flügen Florenz–München in der gemeinsamen Business/Economy- Klasse statt der ohnehin ärmlichen Plastiksemmeln durchmatschte Langschrippen vom Vortag. Flugpreis für eine Strecke: 115 bis 399 Euro.

Bei Karstadt und Kaufhof gibt es inzwischen ein neues Detektiv-Spiel: „Finde den Verkäufer!“ Und in Modehäusern sind die gängigen Größen spätestens nach zwei Wochen ausverkauft: „Wir müssen vorsichtig disponieren in diesen Zeiten.“

Recht so, Service ist schließlich keine Werbung. Oder doch? Reinhard Siemes

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