Sparkurs beim RBB : Aus für TV-Magazin "Polylux"

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg stellt im Zuge seiner drastischen Sparmaßnahmen das Fernseh-Magazin "Polylux" mit Tita von Hardenberg ein. Auch das Integrationsprogramm Radiomultikulti steht auf der Streichliste.

"Polylux"
"Polylux"-Moderatorin Tita von Hardenberg (Archivbild). -Foto: ddp

Berlin "Die finanzielle Situation des RBB lässt es leider nicht zu, alle sieben Radioprogramme zu erhalten", teilte RBB-Intendantin Dagmar Reim am Mittwoch in Berlin mit. Deshalb werde zum Jahresende das Integrationsprogramm Radiomultikulti aufgegeben. Von Januar 2009 an sei auf derselben Frequenz das multikulturelle Programm "Funkhaus Europa" des WDR zu hören. Außerdem stellt der RBB Ende 2008 das Fernsehmagazin "Polylux" mit Tita von Hardenberg ein, das bislang 30 Mal jährlich im Ersten Programm zu sehen ist.

Grund ist ein erwarteter Fehlbetrag von 54 Millionen Euro in der Gebührenperiode von Januar 2009 an. Das Minus entsteht nach RBB-Angaben dadurch, dass im Sendegebiet 14,5 Prozent der Haushalte von der Zahlung der Rundfunkgebühr befreit sind, im ARD-Durchschnitt seien es nur 9,9 Prozent. Hinzu kommen die Abwanderung von Einwohnern aus der Region sowie hohe Forderungsausfälle, also Gebühren, die trotz Mahnungen nicht bezahlt werden.

Keine Unterstützung von anderen Sendern

Die Vorsitzende des RBB-Rundfunkrates, Ulrike Liedtke sagte, der Sender sei unverschuldet in diese Lage geraten. Trotz der Bitte um Hilfe habe Intendantin Reim nur wenig Unterstützung von den wohlhabenden ARD-Sendern bekommen. Die Einsparungen im Programm seien unvermeidlich gewesen.

Eine Kürzung bei allen sieben Radioprogrammen kam für den RBB nicht infrage. Hätte der Sender die Lasten gleichmäßig verteilt, wären alle Hörfunkwellen in Gefahr geraten und hätten dem Anspruch an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht mehr genügen können, erklärte der Sender. Der RBB war im Mai 2003 aus der Fusion des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB) und des Senders Freies Berlin (SFB) entstanden.

Protest von Verbänden

Gegen die Schließungsdrohungen hatten Verbände und die Politik protestiert. Dazu gehörten die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), und die Türkische Gemeinde Deutschland. Fast ein Viertel der Berliner Bevölkerung hat ausländische Wurzeln. Nach jüngsten Berechnungen leben unter den rund 3,4 Millionen Hauptstädtern 800.000 Menschen mit Migrationshintergrund.

Radiomultikulti strahlt neben fremdsprachigen Angeboten am Abend ein auf lang ansässige Migranten ausgerichtetes Programm mit Informationen und Weltmusik aus. RBB-Hörfunkdirektor Christoph Singelnstein sagte, alle 28 fest angestellten Mitarbeiter von Radiomultikulti blieben beim Sender. Für die freien Mitarbeiter sollen andere Beschäftigungsmöglichkeiten gesucht werden. Fernsehdirektorin Claudia Nothelle sagte, der RBB hätte "Polylux" für das Erste Programm weiter produzieren wollen. "Leider haben wir die finanziellen Möglichkeiten dazu nicht mehr."

Reim hatte im April gesagt, der RBB werde statt derzeit 6,85 Prozent vom kommenden Jahr an nur noch 6,6 Prozent des ARD-Programms mit Beiträgen aus Berlin und Brandenburg bestücken. Damit gehe auch die Beteiligung an den Gemeinschaftsausgaben der ARD zurück. Insgesamt bringe das eine finanzielle Entlastung von rund zwei Millionen Euro im Jahr für den Sender. Dies bedeute aber auch weniger Präsenz des RBB im Ersten Programm. (küs/dpa)

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