Sparkurs : Müntefering protestiert gegen WAZ-Pläne

Der WAZ-Mediengruppe wurde von den beiden Geschäftsführern Christian Nienhaus und Bodo Hombach ein heftiger Sparkurs verordnet. 300 von 900 Stellen sollen auf dem Spiel stehen. SPD-Chef Franz Müntefering zeigt sich mit den Mitarbeitern solidarisch.

Dass sie per Post „solidarische Grüße“ von SPD-Chef Franz Müntefering bekommen, haben viele Mitarbeiter der WAZ-Mediengruppe längst erwartet – nicht nur, weil Nordrhein-Westfalen 39 Jahre lang von der SPD regiert wurde. Sondern vor allem, weil die SPD-Medienholding ddvg mit knapp 13 Prozent an der „Westfälischen Rundschau“ (WR) beteiligt ist. Das Blatt gehört zusammen mit der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ), der „Westfalenpost“ (WP) und der „Neue Ruhr / Rhein Zeitung“ (NRZ) zur WAZ-Mediengruppe. Allen vier Titeln wurde von den beiden WAZ-Geschäftsführern Christian Nienhaus und Bodo Hombach ein heftiger Sparkurs verordnet. Rund 30 Millionen Euro sollen angeblich eingespart werden, 300 von 900 Stellen auf dem Spiel stehen.

„Die SPD muss als Mitbesitzerin Verantwortung übernehmen“, sagt Malte Hinz, „WR“-Betriebsratsvorsitzender. Doch mehr als aufmunternde Worte gab’s von Müntefering bisher nicht. In seinem Brief stand, dass er „die Plausibilität der unternehmerischen Entscheidungen nicht im Detail beurteilen“ könne, aber „auf eine akzeptable und vom sozialen Denken geprägte Lösung“ hoffe. Die beiden Geschäftsführer antworteten prompt per Fax: Die Plausibilität ihrer Entscheidungen ergäbe sich aus den ökonomischen Daten, die von der Beratungsfirma Schickler erarbeitet würden. Diese sei „häufig für die SPD-Medienholding ddvg“ tätig“ gewesen, „zuletzt bei der Sanierung der ,Frankfurter Rundschau’“.

Eine Spitze von Münteferings ehemaligem SPD-Kollegen Hombach. Bei der „FR“ waren in den vergangenen Jahren zahlreiche Stellen gestrichen worden. Die beiden Geschäftsführer erklärten dem SPD-Chef auch, was sie unter sozialer Verantwortung verstehen: Es gebiete, „vor einer ökonomischen Katastrophe die notwendigen Reformen einzuleiten.“ Wie diese Reformen aussehen, teilten sie am Dienstag bei einer Betriebsversammlung nicht persönlich mit. Dafür kam „WAZ“-Chefredakteur Ulrich Reitz und stellte das Konzept einer gemeinsamen Mantelredaktion für „WR“, „NRZ“ und „WP“ vor. Darüber will der Betriebsrat verhandeln, vor allem will er Entlassungen vermeiden, sagt Hinz: „Ansonsten ist nicht nur die Meinungs- und Medienvielfalt in NRW gefährdet, sondern der journalistische Arbeitsmarkt beschädigt.“sop

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