Speeddating im Fernsehen : Blaublüter auf Brautschau

Kuppelshows boomen im TV. Jetzt suchen vier Adelsherren bei „Gräfin gesucht“ ihre Traumfrau. Aber auch Sat1 ist auf der Suche, denn die Quote der ersten Staffel war alles andere als beglückend.

Sonja Pohlmann

In Sachen Dates macht Graf Johann, 48, so schnell keiner was vor: „Zu so einem Termin geht man in der Regel frisch gewaschen“, sagt er, zupft noch schnell sein Einstecktuch zurecht und macht sich auf zum Speed-Dating. In einem kleinen Schlösschen warten schon seine „Dates“. Blaues Blut hat zwar keine der Damen zu bieten, aber das macht dem frisch gewaschenen Johann nichts aus – denn wenn schon ein Prinz William mit einer Bürgerlichen liebäugeln darf, dann kann er das als Graf erst recht. Seine Zukünftige sucht er sich aber nicht auf dem Polofeld oder beim Champagnerempfang, sondern im Fernsehen: „Gräfin gesucht“ heißt die Kuppelshow, die Sat 1 jetzt in der zweiten Staffel ausstrahlt. Neben Graf Johann suchen drei weitere Adelsherren nach ihrer Traumfrau.

Das Format Kuppelshow boomt zurzeit im deutschen Fernsehen. Donnerstags sucht Ex-„Dschungelshow“-Kandidatin Giulia Siegel nach einem Mann, auf Sat 1 werden ab 24. August die drei „Promi-Singles“ Desirée Nick, Maja Prinzessin von Hohenzollern und Sabrina Setlur nach einem Traumprinz Ausschau halten. Aber die Rekordquoten von „Bauer sucht Frau“ dürften auch sie nur schwer knacken: 7,74 Millionen Zuschauer (Marktanteil 25,1 Prozent) schalteten die RTL-Show im vergangenen Herbst durchschnittlich ein und beobachteten Hühnerwirt Hansi und Schafbauer Heinrich bei ihren Anbändelungsversuchen.

Die erste Staffel von „Gräfin gesucht“ wollten im Sommer 2008 dagegen nur 2,48 Millionen Zuschauer (Marktanteil 10,5 Prozent) sehen – eigentlich verwunderlich, denn zumindest im Zeitschriftenmarkt sind People-Zeitschriften wie „Bunte“ oder „Gala“ mit ihren Storys über die deutschen und europäischen Königshäuser weiterhin gefragt. Für die Fernsehzuschauer scheint zu gelten: lieber Schweinestall als Kaminzimmer, lieber eine ordentliche Brotzeit statt Champagnerfrühstück. Vermutlich nicht nur, weil die Landwirte authentischer wirken als die Grafen. Sondern auch, weil die Kandidaten bei „Bauer sucht Frau“ bei vielen Zuschauern mit ihrem oft unbeholfenen Auftreten ein Gefühl zwischen Fremdschämen und Mitleid erzeugen – eine Mischung, die viele süchtig macht. Der schräg singende Schäfer Heinrich schaffte es mit seinem „Schäferlied“ sogar in die Charts.

Davon ist Graf Christoph, 26, noch weit entfernt – auch wenn er gerne mal auf Bierbänke steigt und sich deshalb „kein Mauerblümchen“ wünscht, „sondern eine, die auch mal mit auf den Tischen steht“. Bei seinem Speed-Dating trifft er dann allerdings auf Kandidatinnen wie Melanie. Sie wurde von ihrer Freundin angemeldet, damit „für ihre Zukunft“ gesorgt ist. „Hoffentlich nicht finanziell?“, fragt Christoph bang und bekommt von Melanie ein „Ja, doch“ zu hören. Ehrlich währt in diesem Fall dann leider nicht am längsten.

Doch auch die Grafen sind nicht ganz ohne Hintergedanken. Als sich eines seines Dates als Krankenschwester vorstellt, leuchten die Augen von Graf Johann: „Oh, das ist immer gut für Männer, vor allem, wenn sie nicht mehr 25 sind“. Die Kandidatin lächelt nur. So hatte sie sich ihr neues Leben als Gutsherrin vermutlich nicht ausgemalt. Ob die vier Adelsherren am Ende tatsächlich ihre „Gräfin“ finden, wird sich nach acht Folgen zeigen. Ab Herbst sind bei RTL dann wieder die „Bauern“ dran – und die wissen längst, das man beim ersten Date mehr als nur „frisch gewaschen“ sein sollte.

„Gräfin gesucht“, 19 Uhr, Sat 1

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