Spiegel : Aust kommt zurück, Nachfolge unklar

Die merkwürdige Art und Weise, wie die Gesellschafter Stefan Aust den Stuhl vor die Tür gestellt haben, könnte sich bei der Nachfolgefrage fortsetzen.

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Stefan Aust. Nachfolger gesucht. -Foto: ddp

„Spiegel-Leser wissen mehr“, heißt es in der Eigenwerbung für das Nachrichtenmagazin aus Hamburg. Das stimmt oft, immer stimmt es nicht. In der aktuellen Ausgabe des „Spiegel“ findet sich kein Zeilchen über die wichtigste Personalie im Medienbereich – die Trennung von Chefredakteur Stefan Aust, spätestens zum 31. Dezember 2008. Auch in der „Hausmitteilung“ auf Seite 5 wird nur das übliche „Best of“ der Ausgabe 47/2007 traktiert. Für alle Freunde und Feinde von Stefan Aust nachzulesen: Im Impressum auf Seite 198 wird selbiger als Chefredakteur aufgeführt.

Der „Spiegel“ wird in solch internen Fragen nicht anders ticken als andere Häuser: Ein Abschied soll mit einem Willkommensgruß für den Nachfolger verbunden werden. Spiegel Online übt derweil den Notbehelf, indem Artikel aus der Tagespresse zur Causa Stefan Aust zitiert werden.

Die merkwürdige Art und Weise, wie die Gesellschafter Stefan Aust den Stuhl vor die Tür gestellt haben, könnte sich bei der Nachfolgefrage fortsetzen. Die Mitarbeiter KG um ihren Sprecher Armin Mahler will in „Ruhe“ suchen. Nicht wenige Redakteure fragen sich, wie das gelingen soll. Stefan Aust wird heute nach Hamburg zurückkehren, am Dienstag wird er im Verlagshaus zurückerwartet. Dann wird der Chefredakteur für die nächste „Spiegel“-Ausgabe einen „Zukunfts-Titel“ zur Boom-Region Dubai machen, damit der Vorwurf gekontert ist, mit dem 61-Jährigen sei keine Zukunft zu gewinnen.

Je nach Nervenstärke kann sich Aust ja in sein Büro setzen und auf Angebote der „Königsmörder“ für die weitere Zusammenarbeit (unwahrscheinlich) oder die rasche Trennung (wahrscheinlich) warten. An einem Spiel auf Zeit kann im „Spiegel“ keiner interessiert sein. Von einer Zwischenlösung ist die Rede, einer Doppelspitze aus Martin Doerry, einem der Stellvertreter von Stefan Aust, und Mathias Müller von Blumencron, Chef von Spiegel Online. Oder es wird außerhalb nach einem älteren, sehr erfahrenen Blattmacher gesucht, der die Redaktion mit ruhiger Hand führt, bis ein Nachfolger für Stefan Aust gefunden ist. jbh/TE

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