„SPIEGEL“-Beilage : Die Schweizermacher

Die Schweiz – eine Weltmacht. Dank des „Spiegel“ wissen wir es jetzt. Weg mit den ollen Tugenden Zurückhaltung, Bescheidenheit und Mäßigung.

Die Schweiz – eine Weltmacht. Dank des „Spiegel“ wissen wir es jetzt. Weg mit den ollen Tugenden Zurückhaltung, Bescheidenheit und Mäßigung. Die Schweiz ist zwar klein – aber doch ganz groß. Was die Schweizer Leser von einem deutschen Nachrichtenmagazin geboten bekommen, das erstmals mit einer Beilage in ihrer Heimat erscheint? Eine Ausgabe zum Wohlfühlen, so gar nicht „Spiegel“-like.

Wie der Hausmitteilung zu entnehmen ist, bekundet das Hamburger Magazin seine liebe Mühe, die Eidgenossenschaft in all ihren Facetten zu erfassen. Es sieht die Schweiz zwar als „schönes, reiches, aber auch kompliziertes und wenig bekanntes Land“. Aus diesem Grund hat der „Spiegel“ seine Recherchen weitgehend vier eidgenössischen Redakteuren anvertraut – Beat Balzli, Sebastian Ramspeck, Mathieu von Rohr und Samiha Shafy.

Herausgekommen ist ein Beihefter mit Urschweizer Themen und Tragödien. Die Schweiz als Drehscheibe der Weltwirtschaft – die größten Unternehmen werden vorgestellt, dazu Vertreter der Wirtschaftselite wie Marcel Ospel (UBS) oder Peter Brabeck (Nestlé) und der mutmaßlich prominenteste Politiker, SVP-Bundesrat Christoph Blocher. Zu ihnen allen hat der „Spiegel“ selbstredend Zugang – jedenfalls in seiner ersten Schweizausgabe. Das Bankgeheimnis wird mal wieder ausgelutscht. Und eine Umfrage über Vorurteile, wie sie das Nebeneinander von Deutschen und Schweizern nun mal prägen, darf nicht fehlen.

Seit dem Rütlischwur stehen Eidgenossen im Ruf, gute Kämpfer zu sein. In mehr als einer Schlacht haben sie dies unter Beweis gestellt – sie beschützen sogar den Papst. Schweizergarde und Fußball-Nationalelf bleiben deshalb auch im „Spiegel“ nicht unerwähnt. Wo bleibt der Erkenntnisgewinn für Schweizer Leser? Heißer Tipp für die helvetische Tourismuswerbung: Dieses Heft in Millionenauflage, global und in 25 Sprachen verbreiten. Und an die „Spiegel“-Redaktion: Die deutschen Leser hätten derlei Schweizaufklärung fraglos nötiger! Colin Porlezza

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