Medien : „Spiegel“-Chef wundert sich über „SZ“-Chef

Joachim Huber

Stefan Aust nennt die Geschichte „abwegig“. Der Chefredakteur des „Spiegel“ könne sich „nur wundern“ über das, was Chefredakteur Hans Werner Kilz in der Montagsausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ geschrieben habe. Kilz erinnert darin an das Treffen zwischen Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder, auf welchem Wege die von Schröder angestrebten Neuwahlen zum Bundestag zu erreichen sind. Kilz schreibt: „Merkwürdig nur, dass das hochvertrauliche Gespräch nicht vertraulich blieb. Einige für Schröder abträgliche wurden vom Spiegel als wörtliche Zitate veröffentlicht.“ Zur Frage, wie der „Spiegel“ an diese Informationen kam, schreibt Kilz, „weil Horst Köhler vor und nach seiner Wahl von dem Nachrichtenmagazin ,auf distanzlose Weise gefeatured’ wurde, wie es leitende Redakteure darstellen.“

Stefan Aust sagte dem Tagesspiegel, die „Spiegel“-Geschichte über das Treffen Köhler – Schröder „ist eine auch für Konkurrenz bemerkenswerte Recherche, Abstriche daran sind überhaupt nicht notwendig“. Über seine Quellen sage das Magazin grundsätzlich nichts, deswegen könne und wolle er zur Recherche nichts sagen. Was Aust abwegig findet, ist die „Unterstellung, das Magazin hätte dabei von einer Parteilichkeit für Köhler profitiert“. Davon könne damals wie heute nicht die Rede sein.

Was den „Spiegel“-Chef wundert, ist die im Kilz-Text angelegte Vermutung, dass die „Spiegel“-Redaktion die rot-grüne Regierung „verschwinden“ lassen will. Aust: „Wir haben eine offene Diskussionskultur mit unterschiedlichen Auffassungen in dieser Frage. Wir machen aber keine Politik, für niemanden. Da ist unsere journalistische Grundhaltung vor.“ Wahr aber sei, dass in der Zeit des Wahlkampfes vielerorts „nach Freund und Feind“ geschaut werde. Für Stefan Aust ist es, gerade nach Lektüre des Artikels von Kilz, eine ausgemachte Sache, dass „die Verschwörungstheoretiker auf dem Vormarsch sind“.

„SZ“-Chefredakteur Hans Werner Kilz sagte dem Tagesspiegel, dass es „ihm überhaupt nicht um den ,Spiegel’ ging, sondern um den Vorgang, dass zwei Verfassungsorgane vertraulich miteinander reden“ und dann wörtliche Zitate kursieren würden, „mit denen Politik gemacht wird“.

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