"Spiegel", "Focus" & Co : „Leuchttürme für Leser“

Beim Zeitschriftenkongress in Berlin diskutieren Chefredakteure über die Zukunft von Zeitschriften im digitalen Zeitalter. Doch Konkurrenz bekommen die Magazine nicht nur von Internet-Portalen.

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Zu wenig Ehrgeiz ist Rüdiger Ditz sicher nicht nachzusagen, aber ein Ziel strebt der Chefredakteur von Spiegel Online nicht an: eines Tages den „Spiegel“ in seiner Relevanz zu überholen. „Beide Medien sind am stärksten, wenn sie zusammenarbeiten. Wir spielen uns die Bälle gegenseitig zu“, sagte Ditz am Freitag beim Kongress des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin.

In diese Hamburger Harmonie will der neue „Focus“-Chefredakteur Wolfram Weimer grätschen. Das in München erscheinende Blatt möchte er zum bürgerlichen Leitmedium machen und damit dem „Spiegel“ verstärkt Konkurrenz. „Ein Nachrichtenmagazin muss heute ein Orientierungsleuchtturm für Leser sein“, sagte Weimer, der mit Ditz und anderen Chefredakteuren über die Zukunft von Magazinen im digitalen Zeitalter diskutierte. Eine Zeitschrift sei heute auch eine „Gefühlsheimat“, so Weimer, Fotos und grafische Elemente würden eine immer wichtigere Rolle spielen. Die Schnelligkeit der Online-Medien zwinge Magazine dazu, sich neu zu positionieren und ihr Profil durch mehr relevante Themen zu schärfen.

Konkurrenz drohe den Zeitschriften aber nicht nur durchs Internet, sagte Steffen Klusmann, Chefredakteur der Gruner+Jahr-Wirtschaftsmedien („Financial Times Deutschland“, „Capital“): „Zeitungen werden immer magaziniger, deshalb müssen Zeitschriften überraschende, gut durcherzählte Geschichten in hochwertigem Design bieten.“ José Redondo-Vega, „GQ“-Chefredakteur, verwies auf die positiven Seiten des Internets. „In sozialen Netzwerken wie Facebook oder über Apps gibt es neue Kanäle, in denen man mit den Lesern kommunizieren kann“, sagte er. Solche kritischen Debatten seien nicht immer angenehm, würden aber helfen, die Bedürfnisse der Leser besser einschätzen zu können. Zudem diene die Interaktion im Netz auch dazu, potentielle Leser ans Magazin heranzuführen. sop

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