"Spiegel" : Und plötzlich war Frieden

Am Freitag haben sich Stefan Aust und der Verlag auf eine Abfindungssumme geeinigt, wenigstens vier Millionen Euro soll der Journalist bekommen. Damit ist der Streit um die Kündigung des langjährigen „Spiegel“-Chefredakteurs außergerichtlich beigelegt. Aust verlässt den Verlag mit sofortiger Wirkung.

Joachim Huber,Sonja Pohlmann
Aust
Sein Haus wurde angegriffen. -Foto: ddp


Noch am 5. Februar war ein Gütetermin zwischen den Parteien gescheitert, weil sie sich nicht auf einen Betrag einigen konnten. Aust hatte bis dahin das Nachrichtenmagazin geleitet, war danach jedoch beurlaubt worden. Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo wurden als neue Chefredakteure eingesetzt. Erst am 7. Mai sollte der neue Gerichtstermin vor dem Arbeitsgericht Hamburg stattfinden, die anhängige Klage lag wie eine Altlast auf dem Haus an der Brandstwiete. Und auch Aust schien schnell reinen Tisch mit seinem alten Arbeitgeber machen zu wollen. Unterstützt von seinem Anwalt Matthias Prinz führte er deshalb weitere Gespräche mit dem Verlag.

Beide Seiten bewegten sich aufeinander zu und nach längerem Zögern akzeptierten auch die Erben des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein den Vergleich. Es ging dabei um die Frage, welcher der drei Gesellschafter in welcher Höhe für die Abfindung eintritt. Die Überlegung, dies allein dem Anteilseigner Gruner + Jahr (25,5 Prozent) aufzuhalsen, ließ sich nicht verwirklichen. Franziska und Jakob Augstein sind mit 24 Prozent am Verlag beteiligt, die Mitarbeiter KG mit 50,5 Prozent.

„Am Ende hat bei allen die Vernunft gesiegt“, sagte Armin Mahler, Sprecher der Mitarbeiter KG. „Wir können jetzt nur noch nach vorn gucken und das ist schön für alle Beteiligten.“ So soll gestern ein regelrechtes Aufatmen durch das Haus gegangen sein, wie aus der Redaktion zu hören war. Nicht wenige hatten die Art und Weise als stillos und unwürdig empfunden, wie Aust gekündigt worden war. Während seines Urlaubs im November 2007 war überraschend bekannt geworden, dass die Gesellschafter seinen Vertrag nicht über Ende 2008 hinaus verlängern wollen und bereits nach einem Nachfolger suchen. Aust klagte, weil der Vertrag nach seiner Ansicht bis Ende 2010 gültig sei, blieb aber bis zu seiner Freistellung Anfang Februar im Amt. Seine ungeklärte Position bescherte ihm offenbar auch einen Trumpf im Poker um Abschied und Abfindung. Weil Aust sich nur im Urlaub sah, hätte er mit einer einstweiligen Verfügung gegen die Änderung des Impressums drohen können. Sein Name wurde gestrichen und durch die neue Doppelspitze Mathias Müller von Blumencron, vormals Chef von Spiegel Online, und Georg Mascolo, zuvor Leiter des Hauptstadtbüros, ersetzt.

Die neuen Chefredakteure dürften über die Einigung glücklich sein. Jetzt wird die fünfte Ausgabe erscheinen, die das neue Duo verantwortet. Bislang haben sie Austs Erfolg weitergeführt, alle Titel verkauften sich mehr als eine Million Mal. Zurzeit ordnen sie die Strukturen in der Redaktion teilweise neu. So soll Konstantin von Hammerstein neuer Leiter des Ressorts „Deutsche Politik“ werden, Rafaela von Bredow seine Stellvertreterin. Auch die Stelle des Kulturchefs muss neu besetzt werden.

Vermutlich wird Stefan Aust bald verkünden, was und für wen er künftig arbeiten wird. Erst kürzlich hatte er dem Tagesspiegel gesagt: „In den Ruhestand gehe ich sicher nicht.“ Und zum nächsten „Spiegel“-Fest ganz sicher auch nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben