Medien : Spiegel wächst mit TV und Internet

Stefan Austs Vertragsverlängerung steht an / Zweistellige Rendite

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Seit fast zehn Jahren ist Stefan Aust, 57, Chefredakteur des „Spiegel“. 2005 läuft der Vertrag aus, bis Ende dieses Jahres muss über seine Vertragsverlängerung entschieden werden. Dies werde geräuschlos über die Bühne gehen, versicherte Karl Dietrich Seikel jetzt dem Branchenblatt „Kontakter“: „Ich werde den Gesellschaftern dazu einen Vorschlag machen (…). Die Leistungen von Stefan Aust für das Haus sind unbestritten.“

Doch die SpiegelGruppe mit ihren 1410 MItarbeitern besteht aus weit mehr als dem Nachrichtenmagazin, das im ersten Quartal 1,08 Millionen Exemplare verkaufte; das sind 43 000 Exemplare oder 3,8 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Die Spiegel-Gruppe setzte 2003 rund 308 Millionen Euro und damit 2,8 Prozent mehr um als im Vorjahr; die Umsatzrendite ist zweistellig, das Ergebnis wurde nicht zuletzt wegen des mit Gruner + Jahr neu verhandelten Druckvertrags verdoppelt. Nähere Angaben macht der Verlag nicht. Der Umsatzanstieg geht vor allem auf die Tochterunternehmen zurück (Spiegel-TV, Spiegelnet), nicht auf den Spiegel-Verlag. Hier konnten laut Seikel die 2003 um sechs Prozent geschrumpften Anzeigenumsätze durch den erhöhten Verkaufspreis und durch Erlöse aus „Spiegel“-Ablegern ausgeglichen werden. Wurden früher 70 Prozent der Erlöse durch das Anzeigengeschäft erzielt und 30 durch die Vertriebserlöse, liegt dieses Verhältnis mittlerweile bei 50 zu 50. Die Nebenprodukte (DVDs, Bücher, CDs, „Spiegel Special“) erlösten 2003 rund 6,5 Millionen Euro.

Deutliches Wachstum erwartet Seikel bei Spiegelnet (das 2006 in die Gewinnzone kommen soll) und Spiegel TV. „Wir werden im TV noch mehr Auftragsproduktionen machen, beispielsweise historische Formate und Schwerpunktsendungen für ZDF und NDR“, sagt Seikel. Zu Spiegel TV gehören neben dem Sender XXP die Firma a + i. Sie produziert die Talkshow „Johannes B. Kerner“ und ist technischer Kooperationspartner der „Bild“-Zeitung für die Produktion von „Bild“-Werbespots und „Bild“-Fernsehbeiträgen, die dann an RTL und andere Sender verkauft werden.

Neben einem Wissensmagazin, das in den Schubladen des Spiegel-Verlags liegt, wird für Leser in den USA und in Fernost eine monatliche, englischsprachige Ausgabe des „Spiegel“ vorbereitet. Eine Entscheidung über die Markteinführung gibt es noch nicht.

Noch ungeklärt ist die kartellrechtliche Überprüfung der künftigen Gesellschafterstruktur. Nach dem Tod des Herausgebers Rudolf Augstein hatten die Gesellschafter Gruner + Jahr und die Mitarbeiter KG ihre Option auf je 0,5 Prozent der Anteile ausgeübt. Sie gehören derzeit noch Augsteins Kindern. Wird der Kauf genehmigt, würde G + J eine Sperrminorität von 25,5 Prozent halten, die Mitarbeiter 50,5 und die Erben 24 Prozent. usi

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