Medien : Spiel, Satz, Mord

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Tom Peuckert verrät,

was Sie nicht verpassen sollten

Einerseits bekennt sich das Kulturradio tapfer zum Programm für Minderheiten. Die Masse lässt sich Megahits aufs Ohr schlagen, aber wir machen Radio für Leute mit Anspruch. Andererseits wird das Geld immer knapper und die darwinistische Auslese gerade im Medienbereich ständig härter. Entweder stehen große Zahlen hinter dir, oder du wirst vom Netz genommen. Da sind Kompromisse gefragt. Vielleicht ist ja der viel gesendete Hörspielkrimi ein Zaubermittel. Das Trivialgenre als Brückenschlag zu breiten Hörerschichten. Wobei wir natürlich wissen, dass gute Krimis bloß scheinbar trivial sind. Nehmen wir nur Paul Austers legendäre „New YorkTrilogie". Was hat gerade das gebildete Publikum diese Stories bejubelt, obwohl Detektive und Verbrecher darin vorkamen.

Ein Wiederhören mit Austers berühmtestem Fall gibt es nun beim Deutschlandfunk. In „Die Stadt aus Glas" wird Krimiautor Daniel Quinn mit einem Detektiv namens Paul Auster verwechselt. Weil Quinn den Irrtum nicht sofort aufklärt, findet er sich bald darauf im gläsernen Dschungel der Stadt New York wieder. Alles scheint gnadenlos transparent und ist doch ein brutales Mysterium. Quinn alias Auster soll einen Mann beschatten, um einen Mord zu verhindern. Die Aufgabe wird zunehmend schwierig, weil bald niemand mehr genau weiß, wer er eigentlich ist. Postmoderne Existenzanalyse plus spannende Krimi-Dramaturgie. Da freut sich der Laie, und auch der Fachmann kommt auf seine Kosten (Deutschlandfunk, Teil I am 10. Dezember, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

In die gute, alte Zeit, als Detektive noch keine Identitätsprobleme hatten, führt Karl Richard Tschons Hörspielkrimi „Fröhliche Weihnachten" zurück. Ausgerechnet am Heiligen Abend erscheint bei Privatdetektiv John McPherson eine Klientin. Ihr Verlobter Harry ist spurlos verschwunden. Drei Tage später findet McPherson dessen Leiche auf einem Tennisplatz. Wie hat der zwielichtige Harry die Weihnachtstage verbracht? Wer es wissen will, sollte sich den Anfang des Dreiteilers nicht entgehen lassen (Deutschlandfunk, Teil 1 am 14. Dezember, 0 Uhr 05).

Vor fast hundert Jahren hat der Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton die Figur des leutseligen Privatdetektivs Brown erfunden. In seinem ersten Beruf trägt Brown die Soutane eines Priesters und ging deshalb als Pater Brown in die Kriminalgeschichte ein. Browns Lieblingsfeind ist der französische Meisterdieb Flambeau. Gerade hat Flambeau ein wertvolles Tafelsilber gestohlen. Wie Brown es ihm wieder abjagt, bringt der Krimi „Die seltsamen Schritte" ans Licht (Radio 88.8, 8. Dezember, 22 Uhr, UKW 88,8 MHz).

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